Im Kino: Nightlife (Komödie, Roadmovie, 115 min)

Wenn man nach einem one-night-stand nach Hause kommt - und die eigene Bude voll feiernder Zombies ist - dann ist das Berlin. Eine Stadt voll einsamer Herzen, die doch eigentlich nur auf der Suche sind. Nach einem Mann fürs Kind, nach Anerkennung, nach Festanstellung. Diese leichte Komödie kommt zwar Anfangs etwas zu träge in die Gänge, entwickelt sich dann jedoch zu einem sehenswerten Roadmovie, bei dem man gepflegt ablachen kann. Mit einer bezaubernden Hauptdarstellerin - gespielt von Palina Rojinski - für die allein der Weg ins Kino lohnt.

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Berlin-Tipps

berlin bei nacht17.02. 19:00 KvU: Aborted Fetus, Congenital Anomalies, Riptide, Wombat Grind (Death, Grind, Metal)
17.02. 19:30 Schokoladen: Magic Shoppe, Three Marias (Psych, Shoegaze, Surf, Garage)
17.02. 20.00 Bar Bobu: Dana
17.02. 20.00 Max-Schmeling-Halle: Tenacious D, Wynchester (Rock) 47e
17.02. 20.00 Musik & Frieden: Austin Lucas (Folk) 21e
17.02. 20.00 Privatclub: Mae Muller, Rebecca Garton
17.02. 20.30 Gretchen: Yacht (ElektroPop) 18e
17.02. 21.00 Madame Claude: Plexus, Alex Rapp (Exp)

18.02. 19.00 Huxleys: Testament, Exodus, Death Angel (Thrash, Heavy Metal) 45e
18.02. 20.00 Astra: Sleater Kinney, Katie Harkin (Punk, Pop) 35e
18.02. 20:00 Gretchen: Kelly Finnigan & The Atonements (Soul )18e
18.02. 20.00 Musik & Frieden: Monuments, Heart Of A Coward (Progressive Metal ) 23e
18.02. 20.30 Loophole: Wolf Mountains, Ghost Pony (Garage, Noise Rock)
18.02. 21:00 Madame Claude: Deta, Craig Walker
18.02. 23.59 Suicide: Femanyst aka Lady Blacktronika, Fr.Jpla, The Allegorist, Lilly Deupre

19.02. 20:00 Festsaal Kreuzberg: And You Will Know Us By The Trail Of Dead (Art Rock) 29e
19.02. 20.00 Huxleys: Tycho, Poolside (Electronic) 32e
19.02. 20.00 Metropol: Black Pumas (Retro Soul) 29e
19.02. 20.00 Lido: Ningen Isu (Hardrock ) 55e
19.02. 20.00 Privatclub: Elias (Soul, Gospel, Pop) 23e
19.02. 20.00 SO36: M.O.P. (Hip Hop) 36e
19.02. 20:30 Gretchen: Joe Armon-Jones, Dorian Concept (Jazz, Electronica) 18e

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Musikdoku: 'Heldenstadt Anders' - Der Festivalfilm (137 min, interpool.tv, 2020)

Drei Tage AUSVERKAUFT. Unzählige Biers, Umarmungen. Tränen der Freude, Pogo, gute Laune. Dazu Bands, die mehr als drei Jahrzehnte nicht mehr zusammen auf der Bühne gestanden haben. Punk, NDW, Noice, Heavy Metal .... Dass Leipziger 'Heldenstadt Anders Festival' im Leipziger UT Connewitz war ein voller Erfolg! Die - mehr als zweistündige - Doku zeigt Ausschnitte aller Auftritte. Sie blickt aber auch hinter die Kulissen dieses einmaligen Ereignisses aus dem September 2019. 

Line Up (Tag 1): HerT.Z., Kulturwille, Mad Affaire, Die Zucht
Line Up (Tag 2): The Huck, 0815, Dilletannten feat. Karl Heinz, Gelee Royal, Der Schwarze Kanal, Pfft...Projekt KNPL
Line Up (Tag 3): Schmerzgrenze, The Real Deal, Trübkraft Umsonst, Unklar, Zorn, Neu Rot, Confused Trail 

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Klare Kante: Wenn die CDU zerbricht (Eine Replik)

Hallo Fred,
mir stellt sich das von Dir beschriebene christdemokratische Dilemma wie folgt dar:

Eine Duldung von Ramelow würde viele in der Union entzürnen, die sich immer noch im Kalten Krieg wähnen und gegen die SED-Nachfolger wettern. Dieses Milieu hatte aber erstaunlicherweise nie Abgrenzungsprobleme zu Filbinger, Kiesinger, Globke oder ein Problem mit der Tatsache, dass die Union eine Nachfolgepartei des Zentrums ist. Politiker dieser Partei haben - wie uns Altmaier am Sonntag sagen wollte - dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt. Das gehört zum Versagen der Konservativen.

Vielen schiene die Duldung von Ramelow aber auch verzeihlich.

Eine Kooperation mit der AfD würde die Union völlig zerlegen - unabhängig davon, wie viele Wähler diese Partei hat. (Und auch wenn ich NS-Vergleiche meide - Hitler ist über den parlamentarischen Weg, über Zähmungskonzepte und eine Machtübertragung zum Kanzler gekürt worden.) Die CDU ist eben nicht nur die Partei der Globkes, sondern heute die Partei von Laschet, Günther, Grütters oder Polenz. Und die vertreten liberale christdemokratische Positionen und repräsentieren ein pro-westliches bzw. sozialkatholisches Milieus, die langfristig in scharfer Differenz zur AfD stehen. Deine Perspektive bezieht sich auf den Osten, wo es Kooperationen auf lokaler Ebene ja schon gibt. Im Westen spricht die Aussicht auf eine Kooperation nur eine Minderheit an.

angela merkelUnd alle, die jetzt die Staats- und Parteichefin schmähen, mögen doch bitte bedenken, was die - Vorsicht, Unwort! - Alternative gewesen wäre - ein Wortbruch der Partei und Kanzlerin als Konzession an den Hütchenspieler Mohring? Wo doch in der internationalen Presse jenseits der NZZ vor der Machtergreifung gewarnt wurde? Vergessen diese Leute, das die politische Ökonomie dieses Landes vom Export - und damit auch vom Image - abhängig ist?

Nein, dieser Vorstoß war, wer immer das ausgeknobelt hat, zu undurchdacht. Er hat aber die Spaltungslinien (Ost-West, rechtskonservativ vs. liberal) sichtbar gemacht. Das Theater macht mir Spaß.

Kretschmer ist by the way zu unbekannt und steht halt für Sachsen. In Städten wie Frankfurt a.M., Hamburg, Berlin oder Köln - die wahlarithmetisch wichtig sind - wäre er nicht vermittelbar. Und der Merz? Ein Atlantiker aus dem Hause BlackRock, der die Republik immer noch für ein großes Schützenfest hält? Wäre der nach dem Geschmack der Ost-Wähler der AfD? Und überhaupt Osten: Wenn ich, wie zuletzt, in Dresden debattiere, erkenne ich an der Uni (die nicht gerade klein ist) keinen Unterschied zum ach so liberalen Aachen.

Und für die Linke wäre Merz doch wunderbar: Endlich wieder, wie früher Strauß, ein echtes Arschloch als Kandidat der Reaktion. Dialektik gehört nicht zu den Grundbegriffen der Rechten - sonst hätten sie eine Ahnung davon, wie mobilierend ihre Aktion für die Gegenseite war.

Also: Wir erleben eine vorläufige Umgruppierung des Parteiensystems. AfD vs. Grüne als die neuen großen Parteien in Ost und West, die Linke als Bayernpartei des Ostens, FDP und SPD als kleine Parteien. Und die Union richtet sich aktuell auf die Rolle in der Defensive ein.

Rotfront und Gottes Segen!
R. - 10. Februar 2020, 21:09 Uhr

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Klare Kante: Wenn die CDU zerbricht

Ein Kommentar von Fred Kowasch

10. Februar 2020
In diesen Zeiten sind die EILMELDUNGEN schon fast Routine. Will man am Morgen noch einen Kommentar unter der Überschrift 'Demokratie als Farce' verfassen (weil das Handeln der CDU-Führungsriege in den letzten Tagen nichts anderes ist), da platzt um 9:32 Uhr via Twitter eine Nachricht von zeit.online herein. Die amtierende CDU-Vorsitzende wirft hin, will sich nicht um die nächste Kanzlerkandidatur bewerben.cdu parteitag 2018

In der CDU bebt es, fliegen sprichwörtlich die Fetzen. Ein solcher Zustand ist allenfalls aus dem Dezember 1999 erinnerlich. Da durchlebten die Christdemokraten um Ex-Kanzler Helmut Kohl gerade ihre Spendenaffäre. Und eine Angela Merkel stiegt einem Phoenix gleich aus der Parteiasche von Betrug und Lüge hervor.

20 Jahre später reisst ihr verbissenes Klammern an die Macht eine ganze Partei mit in den Abgrund. Wirkt die inhaltliche Dogmatik einfach nur noch weltfremd.

Ein Partei in der Klemme. Auch weil sich die CDU die politischen Ausgänge - zumindest in Ostdeutschland - ideologisch verbaut hat. Hier keine Zusammenarbeit mit den SED-Nachfolgern, die in Teilen ja längst eine neue Partei geworden sind. Dort keine Duldung von AfD-Gnaden, weil ihr Führer in Thüringen nun mal Björn Höcke heißt.

Beides wird sich auf Dauer nicht durchhalten lassen. Mehr als die Hälfte der Wählerstimmen - wie in Thüringen - (in Sachsen sind es 38, Brandenburg 34 Prozent) können nicht negiert werden, will man sich nicht selbst ins parteipolitische Abseits stellen. Wenn sich die CDU hier nicht bewegt, ist es bald vorbei mit ihr. Wie man sich als Partei 'gepflegt' ins Aus schiesst, haben gerade die Sozialdemokraten vorgemacht. Auf gehts: zur nächsten EILMELDUNG.

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VoD: Hacking Justice - Der Richter und der Rebell - (Dokumentarfilm, 91 min, 2017)

Julian Assange, der Gründer von WikiLeaks, sitzt in Großbritannien seit Monaten im Gefängnis. Unwürdig wurde er am 11. April aus der equadorianischen Botschaft in London gezerrt. Eine Auslieferung in die USA steht - möglicherweise - bevor. Mitte November erst haben die schwedischen Behörden die Ermittlungen gegen ihn wegen angeblicher Vergewaltigung eingestellt. Die Hintergründe dazu gibt es in einem bemerkenswerten Interview mit dem Uno-Sonderberichterstatter für Folter, Nils Melzer - "Vor unseren Augen kreiert sich ein mörderisches System". Über konstruierte Vergewaltigung, manipulierte Beweise und befangene Richter. 

Assange und WikiLeaks - der Fall vom Medienstar zum 'Bad Guy'. Wohl auch weil seine Organisation im Oktober 2016 den gehackten E-Mail-Verkehr aus dem Wahlkampfteam von Hillary Clinton öffentlich stellte. Und damit Einfluss auf den amerikanischen Präsidentenwahlkampf nahm. Der Dokumentarfilm 'Hacking Justice' schildert hautnah die Zeit von Assange in der equadorischen Botschaft in London. Und wie ihm ein ehemaliger spanischer Richter - der jetzt als Anwalt arbeitet - bei seinem Kampf gegen die Justiz unterstützt. Noch bis zum 31.03.2020 in der ARD-Mediathek.

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"Am Besten, Du machst ab Sonntag Dein Handy aus!" - Was Whistleblower erleben

von Fred Kowasch

Der Umgang mit Whistleblowern - er glich jahrelang einem Drahtseilakt. Im März hat die Europäische Union eine Richtlinie verabschiedet, die Hinweisgebern Rechtssicherheit vermitteln soll. Ehe dies jedoch in nationales Gesetz umgesetzt wird, können noch Jahre vergehen. Mitte Oktober nun befasste sich der Sportausschuss des Deutschen Bundestages mit dem Thema. Mehr Details auch unter sportspool.tv


"Am Besten Du machst ab Sonntag Dein Handy aus. Für ein paar Tage!"  Eine besseren Tipp konnte ich dem Whistleblower im Februar 2009 nicht geben. Denn ich war selbst überfordert. Wer bereitet einen in der Journalistenschule schon auf den Umgang mit Whistleblowern vor?! Wer weiss, ob die Story wirklich 'steil' geht? Ob sie nicht unkommentiert vor sich hin rottet ....

Diese Story allerdings ging steil. Sehr steil sogar. ARD-Sportschau, ZDF-Heute-Nachrichten, WDR-'Sport inside'. Und, und, und. Irgendwann bist Du als Filmemacher (und Produzent) dann schlicht auch überfordert. Wer kann sich dann noch um seinen Informanten kümmern?! Den, der so einen öffentlichen Aufschrei noch nie erlebt hat. Der, der in seinem Kämmerchen vor dem ausgeschalteten Handy sitzt, während im Mail-Acount eine Nachricht nach der anderen eingeht.

Solche Tage bedeuten Stress. Jeder will etwas von Dir. Da muß auf die Presseerklärung des Sportverbandes geantwortet werden. Der Redakteur drängelt. Vorwürfe gegen unseren Informanten stehen im Raum. Wie kontert man die am Besten, wenn nebenbei noch ein weiterer Film zu machen ist? Wie ist es mit einem Anwalt? Wer stellt ihn? Wer muss ihn bezahlen?

TV-Sender nehmen solche Enthüllungen ganz gerne mit. Investigative Geschichten führen zu Anerkennung unter den Kollegen, am Ende winkt vielleicht sogar ein Fernsehpreis. Nur: um einen Anwalt - der ihn rechtlich berät - muss sich der Whistleblower selbst kümmern. Ihn aus der eigenen Tasche bezahlen. Irgendwie geht dass nicht. Es Ist auch nicht zu akzeptieren, dass - nur weil der Whistleblower aufgrund massiven rechtlichen Druckes seine Aussage später ein wenig modifiziert - er (und seine Geschichte) plötzlich regelrecht in Ungnade fallen. Die Redaktion sich einer Folgestory verweigert. Obwohl der Fall bei Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt weite Kreise zieht. Sie dort den Wert der Insiderinformationen zu schätzen wissen. Andere Medien weiterhin über den Fall berichten.

Der richtige Umgang mit Whistleblowern. Er steht in keinem Lehrbuch. Denn jeder Fall ist anders. Jedes Motiv, sich zu offenbaren und an die Medien zu wenden, liegt eine andere persönliche Geschichte zu Grunde. Die zu erfahren, den persönlichen Hintergrund exakt zu verifizieren, ist schwierig. Braucht Einfühlungsvermögen, erfordert Zeit. Die Frage nach seinem Motiv 'auszupacken' - als Filmemacher habe ich sie an den Whistleblower wieder und wieder gestellt.

Ein Rest-Risiko bleibt immer. Für den, der die Geschichte macht. Viel mehr noch für den, der sie erzählt. Der manchmal gar nicht ahnt, was für einen medialen Aufschrei ein Einzelner auslösen kann. Und dass die öffentliche Tortur erst dann so richtig losgeht. (Text März 2019)

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Video on Demand: 'Bad Banks 2' - Die neuen Folgen der Kult-Serie

Hier geht es zu allen Folgen der neuen 2. Staffel von 'Bad Banks'.

"Diese verfickten Moschus-Köter. Diese behinderten Biolatten!" Abgewichste Frankfurter (am Main) Börsenwelt trifft auf hippes Start-Up in Berlin. Am Anfang arg zäh - und kaum ein Klischee vermeidend - entwickelt sich dieser zweite Teil der Serie 'Bad Banks'  zu einem sehenswerten Filmgenuss. Und ungemein spannend dazu. Erneut exellent gedreht und geschnitten die neuesten Entwicklungen aus der Sicht von skupellosen Geldabschneidern. Brilliant in Szene gesetzt, mit einprägsamen Schauspelern. Wie Désirée Nosbusch, Tobias Langhof, Paula Beer und Barry Atsma. Wann kommt Teil 3 der Serie?!

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Reisetagebuch: Von Norden nach Süden - In Vietnam unterwegs (6)

von 'Jay' Steinert

Am nächsten Tag besteigen wir den Zug. Wir fahren von Phan Thiet nach Saigon (Ho-Chi-Minh City). Der Zug ist ca. 50 Jahre alt, aber ganz gut in Schuss und er füllt sich langsam, aber stetig mit Passagieren. Eine Zugfahrt ist jetzt, nach der ganzen, ewigen Busfahrerei eine sehr willkommene Abwechslung. Schließlich ist Endspurt angesagt, Saigon ist für uns das Ziel dieser Reise, letzte Möglichkeit das Transportmittel zu wechseln. Wir bleiben noch 3 Nächte hier, dann geht es wieder zurück.
vietnam6 streetfoodmarketDer Zug trottelt indes mit stetiger Ruhe durch die bunte Landschaft, viel Ackerbau wird hier betrieben, bis ganz an die Schienen heran sind die Felder bestellt. Die Fahrzeit ist mit 4 Std. angegeben, wir brauchen 5 Std. Der Bahnhof für diese Millionenstadt ist ein Witz und zwar ein ganz schlechter. Meine U-und S-Bahn-Haltestelle in Leipzig-Gohlis hat mehr Gleise! Und hier geht es zum gesamten Tagebuch ....

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Open Air Festivals 2020 - Ein Überblick

festivals 20195./6./7.Juni
Rock am Ring - Nürburgring
rock-am-ring.com
(Green Park, Broilers, Billy Talent, Broilers, Trettmann) 

18.-20.Juni
This Is Ska - Wasserburg Roßlau/ Dessau
this-is-ska.de
(Oxo 86) 

19./20./21.Jun
Hurricane - Scheesel
hurricane.de
(Seed, The Killers, Kings of Leon)

3./4./5..Juli  
Summerjam - Fühlinger See, Köln
summerjam.de
(Gentleman, Trettmann, Fettes Brot)

16./17./18.Juli
Back To Future - Glaubitz/Riesa
back-to-future.com
(ZSK, Oxo 86, Red London)

17./18./19.Juli 
Meltfestival - Ferropolis, Gräfenhainichen
meltfestival.de

31.Juli/1./2.August 
Resist To Exist - Berlin
resisttoexist.de/wp/

10./11./12..August 
SonneMondSterne - Saalburg
sonnemondsterne.de/


14./15./16.August
Highfield, Störmthaler See, Leipzig
highfield.de/
(Beatsteaks, Sido)

 

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Borderlands / Grenzgänge - Mit der Kamera zwischen den Fronten (43 min, 2012)

Steine und Gummigeschosse bei Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten an der Mauer im Westjordanland, Polizeigewalt beim Grenzhandel zwischen der spanischen Enklave Ceuta und Marokko, betrunkene Teenager, die auf den Straßen von Belfast nach der Kamera greifen: Die Arbeit des mit zwei World Press Awards ausgezeichneten Fotografen Kai Wiedenhöfer spielt sich in Extremen ab. Fred Kowasch hat ihn bei diesen Grenzgängen begleitet. Der Film lief auf zdf.info, zdf.kultur, 3sat und der Deutschen Welle. Aktuell ist er - im Rahmen der Ausstrellung 'Confrontier' - bei der Stadt Wolfsburg zu sehen.

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Dokumentarfilm: 'Inside HogeSa' - Von der Straße ins Parlament (92 min, 2018)

Köln, am letzten Oktobersonntag 2014. Tausende von muskelbepackten Männern, die unter dem Motto 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) durch die Kölner Innenstadt ziehen. Hooligans, Türsteher, Rocker, Rechtsradikale. Die Demonstration endet in Ausschreitungen am Hauptbahnhof. Tagelang bestimmen die Ereignisse von Köln, bestimmt das Bild vom umgekippten Polizeibus, die Schlagzeilen. Die Öffentlichkeit fragt sich seither: wie konnte dies passieren? Warum haben die Sicherheitsbehörden geschlafen?

In der Folgezeit dominieren - in Ost wie West - 'Pegida-Demonstrationen das Straßenbild. Im Herbst 2017 schließlich zieht die AfD in den Deutschen Bundestag ein. Politikwissenschaftler und LKA-Ermittler sind sich einig: 'HogeSa' hat für diese Entwicklung den direkten Anstoß gegeben.


In 'Inside HogeSa - Von der Straße ins Parlament' begleiten wir die Protagonisten der Szene vier Jahre lang. Zum ersten Mal reden rechte Hooligans,'Nationale Sozialisten' und 'Pegida'-Vertreter offen vor der Kamera. Ein 92-Minuten-langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so vorher noch nicht gab. Der durchaus schockieren kann.

Wem der Trailer gefällt, kann sich gern den kompletten Film ansehen. Er kostet 4,99 (Ausleihe 48 Stunden) und 9,99 Euro (all).
Wer den Film kauft, bekommt die Interviews mit Tatjana Festerling und 'Captain Flubber' in voller Länge zu sehen.

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Im Wortlaut: Offener Brief des CDU-Stadtverband Schleusingen

"08.02.2020, 17:30 Uhr | A. Brodführer - Vorsitzender CDU-Stadtverband Schleusinge 

Offener Brief und Appell
Demokratie lebt von Mehrheiten – Einflussnahme stoppen

CDU-Stadtverband Schleusingen fordert in einem offenen Brief das Ende der Einmischungen in das Wahlverhalten der Landtagsabgeordneten

Schleusingen - Die nach der Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten erfolgte Einflussnahme der CDU-Vorsitzenden Kramp-Karrenbauer auf das zukünftige Wahlverhalten bei einer erneuten MP-Wahl sowie die heutige Absetzung des Ostbeauftragten Christian Hirte durch Bundeskanzlerin Merkel wiederspricht zutiefst demokratischen Prozessen.

Die Schleusinger Union versteht diese Schritte als Reglementierung der gewählten Thüringer Abgeordneten mit dem Ziel der Einflussnahme auf die weiteren Szenarien im Landtag. Viele der Mitglieder sind zutiefst irritiert und bestürzt über die Zwangsjacke, die auferlegt wird. Die Frustration ob dieser Vorgehensweise und dem Eingriff in die Meinungsfreiheit eines jeden Einzelnen sitzt tief und löst nur noch Kopfschütteln aus. Es besteht die berechtigte Sorge einer implodierenden CDU-Basis.

Der Stadtverband Schleusingen fordert die CDU-Vorsitzende Kramp-Karrenbauer auf, die Einflussnahme auf die Landtagsfraktion sofort zu beenden und sich zu überlegen, ob sie noch die CDU-Mitglieder in Thüringen vertritt. In einer Partei, in der Demokratie und Meinungsfreiheit an erster Stelle stehen, haben solche Druckmittel von außen jedenfalls nichts zu suchen.

Wir rufen alle CDU-Mitglieder im Land, denen noch etwas an Demokratie und Meinungsfreiheit liegt, auf, sich unserem Appell anzuschließen."

Quelle: https://www.cdu-schleusingen.de/lokal_1_1_254_Offener-Brief-und-Appell.html

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Klare Kante: Thüringen. Oder: Wenn die Nerven blank liegen

von Fred Kowasch

07.02.2020 - 7:15 Uhr
In Zeiten wie diesen ist alles vorstellbar. Das ein Donald Trump US-Präsident wird. Das Großbritannien aus der EU austritt. Das ein deutscher Landesparteichef mit 5,0066 Prozent an Wählerstimmen Ministerpräsident ist.

Dieser 5. Februar 2020 im Erfurter Landtag hallt nach. Hat bundesdeutsche Parteiengeschichte geschrieben. Was (und wer) am Ende bestehen bleibt - wer weiss dies aktuell schon?! Selten waren politische Zeiten so spannend und dynamisch. Änderte sich die Nachrichtenlage im Stundentakt. Nur eines scheint sicher: mit der Wahl von Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten wird sich die politische Landschaft der Bundesrepublik verändert haben.

Nicht nur auf Landesebene stehen FDP und CDU beschädigt da. Vielmehr vermitteln sie auch bundesweit ein zerrissenes Bild. Eine 'Freie Demokratische Partei' bei der hochrangige Vertreter einen Wahlsieg (von AfD-Gnaden) bejubeln, während andere entgeistert ihre Wut in ihren Twitteraccount hacken. An der Spitze ein Christian Lindner, der von einen auf den anderen Tag den perfekten Wendehals miemt. 

Auch bei der CDU liegen die Nerven blank. Da erreicht eine Bundesvorsitzende einen ihrer Landesverbände nicht mehr. Muss jetzt vielleicht mit ansehen, wie ein SED-PDS-WASG-LINKE Kandidat von Ihren Gnaden doch noch in das höchste Amt im Freistaat gehievt wird. So oder so - es wird die CDU zerreissen.

Am Rande steht - mit einem Grinsen im Gesicht - die AfD. Egal wie die Sache nun ausgeht: sie kann nur gewinnen. Im Fall einer weiteren Abstimmung im Landtag - nach vollzogenem Rücktritt des amtierenden Ministerpräsidenten könnte sein 'Nachfolger dann durchaus Ramelow heissen - treibt sie die CDU vor sich her. Sollten die 1,7 Milionen Thüringer Wahlberechtigte aber erneut an die Urne gerufen werden - was angesichts der Schwäche von CDU, Grüne und FDP derzeit wohl wenig wahrscheinlich ist - dann wird sie sich über mangelnden Zuspruch sicher nicht beklagen können.

Dieses Land ist in Aufregung. Und das ist gut so.

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#le2510: Eskalation mit Ansage. Oder: eine absurde Demo für 'Pressefreiheit'

Eine Analyse von Fred Kowasch

26.01.2020
Es war eine Eskalation mit Ansage. Schon seit Monaten wurde szeneintern für diese Demonstration bundesweit mobil gemacht. Dabei wurde deutlich: da kommen sicher nicht nur diejenigen nach Leipzig, denen es um den Weiterbetrieb des Internetmediums 'linksunten.indymedia.org' geht. Da kommen die, die auf direkten Zoff - auf den unmittelbaren Battle - mit den Cops aus sind. Die Gewaltdrohungen - zwei Wochen vorher in einem 'Mobi-Video' auf VIMEO veröffentlicht - taten ihr Übriges.

screenshot le2501Da dauerte es nicht lange, bis es 'zur Sache' ging. Knapp zwei Kilometer waren bei diesem flotten Marsch für 'Pressefreiheit' vorüber, als Silvesterraketen, Böller und Steine flogen. Aus einer Gruppe von 20 Autonomen. Die Polizei hielt sich - nach Augenzeugenberichten - bis dahin stark zurück. Sah sie sich doch - nach den jüngsten Ereignissen der Silvesternacht am Connewitzer Kreuz - herber öffentlicher Kritik ausgesetzt.

Dass dann ein paar selbsternannte Streetfighter die Presse angreifen, ihren Vertretern direkt Schläge androhen, mag ein paar Leipziger Szenejournalisten vielleicht verwundern. In den Augen der Autonomen ist dies nur konsequent. Und seit Jahren, Jahrzehnten Usus auf solchen Demonstrationen. Wer lässt sich schon gern bei Sachen filmen, die vom Staat als Straftaten geahndet werden. Nicht zufällig startete diese Veranstaltung für 'Pressefreiheit' mit Einbruch der Dunkelheit.

Es geht diesen Leuten um den Kick. Den Adrenalinkick. Da unterscheiden sie sich kaum von Fußball-Hooligans. Auch wenn es - manchmal - politisch verbrämt wird.

2020 steht ganz klar Leipzig im Fokus. Teile der militanten Szene haben sich dort längst verselbstständigt. Deutlich wurde dies durch den koordinierten Angriff auf eine Außenstelle des Bundesgerichtshofes (BGH) zum Jahreswechsel 2018/19, an der bis zu 60 Menschen beteiligt gewesen sein sollen.

Und das nächste Event 'wartet' bereits. Mitte September läd 'Mutti' Merkel die Staatschefs der Welt zum EU-Gipfel in die einstige 'Heldenstadt' ein. Dann - so hört man aus der Szene - soll es richtig krachen.

Screenshot: Twitter-Eintrag einer freien TAZ-Journalistin vom 25.01.2020 aus Leipzig

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Die gekaufte Republik - one by one

Eine (unvollständige) Zusammenstellung

24.01.2020
Der ehemalige Wirtschaftsminister und - bis November - noch im Bundestag sitzende ehemalige SPD-Abgeordnete Siegmar Gabriel (SPD) soll nach einer Mitteilung der Deutschen Bank neues Mitglied im Aufsichtsrat werden. Gabriel war zudem Außen- und Umweltminister. Von 2009 bis 2017 bekleidete er das Amt des SPD-Vorsitzenden. Aktuell ist er Vorsitzender des Lobby-Vereines 'Atlantik-Brücke'.

17.11.2016
Daniel Bahr
(FDP) soll zum 01. Januar 2017 in den Vorstand der Allianz-Krankenversicherung aufrücken. Das berichtet das 'manager magazin'. Bereits vor zwei Jahren war der ehemalige Bundesgesundheitsminister zum Versicherungskonzern gewechselt. reichstag2Bahr ist mittlerweile der dritte FDP-Minister der vergangenen Regierung, der von der Politik in die Wirtschaft gegangen ist.

16.06.2015
Rezzo Schlauch (Grüne), Michael Glos (CSU) und Markus Meckel (SPD). Drei Beispiele von 94. Mindestens 15 Prozent der Abgeordneten üben nach ihrem Ausscheiden aus dem Bundestag eine Lobbyfunktion aus. Und dabei sind noch nicht einmal die Sitze in Aufsichtsräten mitgezählt. Zu diesem Ergebnis kommt der Politkwssenschaftler Cornelius Witt in seiner Masterarbeit, in Auszügen bei abgeordnetenwatch.de veröffentlicht. Besonders häufig wechseln FDP-Mitglieder ihre 'Profession'. Bei der Linken gibt es diesen Seitenwechsel nicht.

05.02.2015
Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesverkehrsminsiterium Katharina Reiche (CDU) wechselt als Lobbyistin in die Wirtschaft. Zum 01.09.2015 wird sie neue Hauptgeschäftsführerin beim Verband Kommunaler Interessen (VKU). Nach Jahren der Untätigkeit hat das Bundeskabinett am Mittwoch einen Gesetzentwurf auf den Weg gebracht, der eine Karenzzeit von mindestens einem Jahr für Regierungsmitglieder vorsieht, die in die Wirtschaft wechseln wollen. Für die CDU-Politikerin Katharina Reiche gilt diese Regelung nicht. 

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'Vor 30 Jahren': "Linke jagen" - Leipzig im Januar 1990

Mitte Januar 1990 in Leipzig: schwarz, rot, goldene Fahnen wehen auf dem Innenstadtring. Zehntausende, die rufen: "Wir sind ein Volk". Einige von ihnen machen auf dem Karl-Marx-Platz Jagd auf Grüppchen, die eingehüllt in DDR-Fahnen abseits stehen. Wir haben einmal in die Fotokiste gegriffen und ein paar alte Aufnahmen herausgesucht. Viel Spaß mit den zeithistorischen Fotos und dem Artikel eines 24jährigen, der gerade als Reporter begann. 
Leipzig 15011990 4
Foto: Fred Kowasch - All Rights reserved

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Reisetagebuch: Von Norden nach Süden - In Vietnam unterwegs (5)

vietnam4 krokodilvon 'Jay' Steinert

In unserer Reiseapotheke findet sich zum Glück Paracetamol. Hilft gut gegen das ansteigende Fieber, nur mit den Bier‘s ist es erstmal vorbei. Verträgt sich nicht gemeinsam.

Mui Ne ist so etwas ähnliches wie Hurgada, Ägypten. Eine Straße am Meer, ca 40 km lang, rechts und links davon Hotel- und Gästehaus-Bebauung. Der Strand selbst bietet keinen Schatten. Auch keine Mietliegen, die gibt es nur in Ressorts und da muss man erstmal reinkommen.

Die Russen die man hier antrifft sind wie die Deckchen, keine besoffenen, grölenden Männerhorden wie gewohnt, sondern Pärchen mit Kleinkindern, Oma und Opa auch mal mit im Schlepptau. Alles sehr friedlich. Es ist aber knallheiß hier. 32 Grad, die Luft steht, das Haar sitzt, auch ohne 3-Wetter-Taft.....

Zum Mittagessen verziehen wir uns in eine Fischbude am Meer, alles frisch, in Bassins gelagert. Seafood aller Art, Lobster, Tiger-Prawns und weiß der Fuchs was noch alles.

Krokodil mit Kartoffelpüree - das wäre doch mal was! Tatsächlich ist das mal was völlig anderes, schmeckt nach ... keine Ahnung, hat einen Eigengeschmack. Probieren Sie es aus wenn Sie mal in der Nähe sind. Krokodil wird in ganz Asien gereicht.

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Reisetagebuch: Von Norden nach Süden - In Vietnam unterwegs (4)

von 'Jay' Steinert

Unser Homestay-Hotel liegt am Rande der Stadt Hoi An, es ist ziemlich neu und hat bei Booking.com beste Noten bekommen. Völlig zu Recht. Wir laufen nur zwei Minuten bis zum Strand, die Liegen und Schirme sind kostenlos. Im Gegenzug bestellt man Speisen und Getränke aller Art. Der Strand ist gepflegt und hat wenig Besucher. Vor allem eins: k e i n e Russen. Das Wasser des Südchinesischen Meeres ist hier sauber und wohltemperiert. So lässt es sich leben! Am Abend bieten einige Restaurants in Strandnähe ihre Dienste an.
vietnam4 stadtbeleuchtung 4

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Klare Kante: Warum der WDR ein Auslaufmodell ist

Ein Kommentar von Fred Kowasch

06.01.2020
Es gibt einen sehr sehenswerten Film im Netz. Feinster investigativer Journalismus. Zu einer Zeit, da das NDR-Medienmagazin 'ZAPP' noch bissig war, keine Rücksicht auf Öffentlich-Rechtliche Kollegen nahm. In diesem Beitrag geht es um die Nebentätigkeiten von ARD und ZDF-'Journalisten'. Dieser Film zeigt anschaulich, wie sie bis zu 20.000 Euro für einen Auftritt einstreichen. 'Journalisten' wie Claus Kleber oder Tom Buhrow. Angeblich Gesichter für Glaubwürdigkeit und Seriosität im TV-Journalismus. In diesem Filmbeitrag geben sie keine wirklich gute Figur ab.

wdr innenstadt koelnZehn Jahre später steht einer von Ihnen - Tom Buhrow - wieder im Fokus des öffentlichen Interesses. Es geht um einen - ziemlich - missglückten 'Satire'-Song. Einen Song, den man lustig finden kann. Oder auch nicht.

So ein Lied muss man machen können dürfen. Egal wie schräg das 'künstlerische' Werk ist. Ob es inhaltlich nicht vielleicht sogar die völlig Falschen trifft. Genau dieses gebietet die Presse- und Meinungsfreiheit. 

Diesen Song aus dem Programm zu nehmen, geht nun wirklich nicht. Egal wer da wütend wird.

Sei es der NRW-Ministerpräsident. Seien es ein paar Hundert Leserbriefschreiber. Seien es die 'rechten' Trolle im Netz. Kein Verantwortlicher von Format knickt - bei diesem lauen Empörungslüftchen - ein.

Nur einer, der wirklich keine 'Eier' hat. Von den Mitarbeitern aus seiner 'Social Media'-Abteilung schlecht beraten wird. Eine Agentur für 'Krisenkommunikation' braucht.

Intendant Tom Buhrow ist symptomatisch für seinen Haussender. Schon seit Jahren kommt - aus dem einst so innovativen WDR - keine wirklich neue Programmidee mehr. Wer diesen Apperat einmal von innen erlebt hat - und der Autor hat dies ein paar Jahre - der weiß: hier verwaltet Feigheit, Political Correctness und Kleingeist das Programm. Dümpelt Belanglosigkeit selbstzufrieden vor sich hin. Während draußen - in diesen Tagen sogar direkt vor den blank geputzten Scheiben am Appelhofplatz - die Konflikte des Landes sprichwörtlich eskalieren. So einen Sender braucht kein Mensch.

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Reisetagebuch: Von Norden nach Süden - In Vietnam unterwegs (3)

von 'Jay' Steinert

Das Travellerleben funktioniert hier hervorragend, die Menschen sind freundlich, hilfsbereit und der Taxifahrer hält sich ans Taxometer. Alles läuft sehr korrekt. Das Wetter ist hier, im Winter, angenehm wechselhaft. Zwischen 16 und 32 Grad haben wir alles. Dadurch steigt natürlich der Klamottenverbrauch, d. h. : Lounderyservice. Die Wäsche wird hier für ca. 45.000 Dong (1,80 EUR) pro 1 kg innerhalb von 24 h gewaschen, getrocknet, gebügelt und in Folie eingeschweißt in die Unterkunft geliefert.

Wir sitzen in der Hotel-Lobby und warten darauf das der Zubringer uns abholt. Wir fahren pünktlich von der Hauptstadt Hanoi ab, in den Süden, nach Tam Coc (Ninh Bin). In die sogenannte „Trockene Ha Long Bay“. Hier sind - wie beim Original - ähnliche Felsformationen zu finden, nur kann man sie eben zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Moped erkunden. Auch gibt es die Möglichkeit mit einem Paddelboot auf dem Fluss durch die Schluchten zu gleiten. Das Wetter ist feucht/diesig, man steht quasi permanent im Leichtnieselregen, stört aber nicht, wenn man eine Regenjacke dabei hat. vietnam3 kanufahrt

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Reisetagebuch: Von Norden nach Süden - In Vietnam unterwegs (2)

von 'Jay' Steinert

Wir sind mit einem Liegebus in den Norden Vietnams weiter gereist. Wir wollen in den Bergen von Sa Pa wandern. Die Reisezeit von Hanoi beträgt ca. sechs Std. Ein Taxi bringt uns dann für drei Euro (oder 20 Min laufen) von der Bushaltestelle Sa Pa ins gewünschte Hotel. Schönes Doppelzimmer mit Bergblick, gutes Frühstück, für 30 EUR. Leider gibt es keine Wanderwege mit entsprechenden Markierungen, hier läuft alles über einen Wanderführer, den man kostenpflichtig buchen muss. So einen Quatsch machen wir nicht mit.
vietnam2 bergdorfblick
Wir wandern in ein nahe gelegenes Cat Cat - Dorf. Der übliche Rummel, Souvenirstände allerorten, historische Tanzdarbietungen von vermeintlichen„Eingeborenen“ die höchstwahrscheinlich pünktlich 18:00 Uhr Feierabend haben und dann nach Hause fahren um PlayStation 4 zu spielen. Wir entdecken einen tollen Wanderweg auf dem man schnurstracks in eine herrliche Wildnis gelangt. Schon dafür hat es sich gelohnt. Bei Sonnenuntergang sollte man allerdings schon auf dem Rückweg sein.

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Reisetagebuch: Von Norden nach Süden - In Vietnam unterwegs (1)

von 'Jay' Steinert

Die Einreise nach Vietnam war unproblematisch, unser Gepäck allerdings blieb in Hongkong auf der Strecke, zunächst. Soll aber der Normalzustand sein, in den allermeisten Fällen wird das Gepäck innerhalb von 24 h beschafft und an einen Wuschort zugestellt. Dies war in unserem Fall dann auch so.
vietnam1 strassenszene2Mit dem Flughafenbus dann in die Altstadt. Per GPS-App auch sofort das Hotel gefunden, alles wunderbar. Erstmal zwei Stunden pennen. Die Stadt ist „in Schuss“. Kein Müll, fast keine Polizei, keine Bettler, dafür sehr viel Verkehr und schlechte Luft. Viel Bautätigkeit und geschäftige Menschen. Vom Sozialismus künden allenfalls ein paar wenige Spruchbanner, aber die gehen zwischen den Werbetafeln von Coca-Cola und Apple unter. Sogar Staatengründer Ho-Chi-Minh macht Werbung für eine vietnamesische Telefongesellschaft! Wenn er das wüsste, er würde sich wohl in seinem Mausoleum umdrehen!! Die vietnamesischen Kommunisten haben sich aus der sonst üblichen Öffentlichkeitsarbeit fast völlig zurückgezogen. Es gibt fast keinen Hinweis darauf das man sich in einem „Commi-Land“ befindet. Ein paar kleine Jungpioniere mit Halstüchern rasen hier zwar rum, aber das war es dann auch schon. USA-Sternenbanner und Mc Doof sind überall präsent. Wer hatte noch mal den Vietnamkrieg verloren?

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Vor 30 Jahren: Null Bock auf Deutsche Einheit

Der Dezember 1989 in Berlin. Während im Osten der Stadt der sogenannte 'Runde Tisch' tagt, sich die SED in SED-PDS umbenennt, protestieren in Westberlin Tausende gegen eine immer wahrscheinlich werdende Deutsche Einheit. Zur Demonstration über den Kudamm hat ein 'Büro für ungewöhnliche Maßnahmen' aufgerufen. West-Berlin - das Eldorado für Wehrdiensttotalverweigerer - zieht jede Menge schräger Typen an. Während durch Kreuzberg eine Besetzerdemo zieht, wird in Ostberlin am 22. Dezember das erste Haus - die Schönhauser Allee 20/21 - offiziell besetzt. Bis zum Herbst 1990 sollten über Hundert weitere folgen. Das 'Jahr der Anarchie' kündigt sich an. Und: die Stadt ist formal immer noch geteilt. Für einen Tagesbesuch im Osten müssen Westberliner nach wie vor noch 25,- DM an Zwangsumtausch bezahlen.Dezember 1989 Bild 3Die Schönhauser Allee 20/21. Das erste - offiziell - besetzte Haus in Ostberlin. Mehr als hundert weitere Häuser werden 1990 noch folgen
Dezember 1989 Bild 1Demonstration im Dezember 1989 gegen die Deutsche Einheit auf dem Westberliner Kurfürstendamm - Fotos: Fred Kowasch - All Rights Reserved

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Erste Kundgebung des 'Neuen Forum' in Leipzig (18.11.2019)

von Fred Kowasch

Der 18. November 1989. Zum ersten Mal nach meiner Ausreise (im März des Jahres) wieder in die DDR gekommen. Die erste Kundgebung des 'Neuen Forums' in meiner Heimatstadt wollte ich mir nicht entgehen lassen. Wow - fast 20.000 sind gekommen. Treffe viele Freunde aus der Bürgerrechtsbewegung, die an diesem Tag aber kaum Zeit für mich haben. Lausche Reden von Leuten, mit denen ich einst in dunklen Küchen diskutierte. Am Meisten hat mich damals die Rede der Philosphin Inge Berndt berührt. Am Rande - und zum Schluß - ein Sprechchor: "Deutschland, einig Vaterland!" Dieser wird mit heftigen Pfiffen quittiert. Am Abend dann: ab in meine einstige Bar, deren Mobiliar inzwischen in den Osten der Stadt gewandet ist. Party bis zum Morgengrauen ....
Leipzig1 17111989Ordner des 'Neuen Forum' vor dem Leipziger Georgi-Dimitroff-Museum
Leipzig2 17111989Mehr als 15.000 Menschen sind zur ersten Kundgebung des 'Neuen Forum' zusammengekommen
Photos: Fred Kowasch - All Rights Reserved

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Autonome: Polizeivideos aus Leipzig geleakt (#le1212, 2015)

In Leipzig scheinen die Behörden ein 'leichtes' Händchen zu haben. Nachdem vor drei Jahren zahlreiche Ermittlungsunterlagen über Tatverdächtige des Überfalls von Hooligans und Rechtsextremen am 11. Januar 2016 in Connewitz auf abendteuerlichen Wegen bis in die dortige Szene 'durchgestochen' wurden, sind jetzt erneut brisante Polizeidaten außer Kontrolle geraten. Diesmal handelt es sich um zwei Filme, die - aus Sicht der Polizei - den Einsatz am 12. Dezember 2015 in der Leipziger Südvorstadt zeigen. Auf den Videos: wie Autonome massiv Polizeieinheiten mit Steinen bewerfen. Die Filme von neun und sechs Minuten Länge sind ein Zusammenschnitt verschiedener Polizeikameras.


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'Inside Black Bloc': Bewurf mit Mamorsteinen - der 6. Dezember in Athen

von Fred Kowasch, Athen

Der 6. Dezember ist in Exarchia so etwas wie - früher - der 1. Mai in Kreuzberg. Leere Straßen. Am Rande brennen ein paar Feuer. Steine fliegen. Nur sind sie hier aus Mamor. Und werden gezielt auch mal auf Journalisten geworfen. Dass ist der Unterschied ….

athen 0612 demo zwoelf uhr28 Stunden Athen. Drei Demonstrationen miterlebt. Die auf dem immergleichen Weg gingen. Laut waren. Am Ende ist da jedoch nix passiert. Eine materialisch ausgerüstete Polizei, die fast den ganzen Weg mit Gasmasken bestreitet. Später werde ich wissen wieso.

Mädels und Jungs - die meisten von Ihnen noch keine zwanzig - die fast beiläufig zur Demo mit einem Motorradhelm angeschlendert kommen. Um dann - im ‚Black Block‘ materialisch aufzutreten. Eine interessante und sehr spezielle Formation hier in Griechenland. Details gibt es allerdings erst später - in unser gleichnamigen Dokumentation.

Eigentlich ist der 6. Dezember für die anarchistische und autonome Szene so etwas wie ein Gedenktag. An diesem Tag wurde vor elf Jahren der 15jährige Alexis Griporopoulos von einem Polizisten in Exarchia erschossen. Deshalb auch ziehen die Demonstranten nach ihrem Aufzug am Abend direkt ins Viertel.

Dieses ist fast menschenleer. Keine Autos an der Straße, kaum Licht in den Wohnungen, alle Geschäfte geschlossen. Über allem kreist, gespenstig fast schon, ein Hubschrauber. Am Straßenrand vereinzelt Müllhaufen, die von Schwarzgekleideten angezündet werden. Polizisten stehen in einiger Entfernung, lucken vorsichtig um die Ecken herum. Ein paar Straßen weiter sind zwei Wasserwerfer im Einsatz. Einer löscht gerade ein Feuer.



In gut Hundert Meter Entfernung - am Exarchiaplatz - geht es rund. Menschen rennen, Qualm steigt auf. Mit ein paar Kollegen gehe ich dorthin. Der Qualm ist beizend, neben mir husten ein paar neugierige Passanten. Tränen in den Augen. Ein Glück dass ich vorher noch diese Gasmaske bei einem Straßenhändler in der Athener Altstadt gekauft habe. Zehn Euro, gut angelegt.

Plötzlich werden wir beworfen. Die Steine, kommen vom Exarchia-Platz her. Rennen. Den Weg zurück. Flüchten hinter die Absperrungen. Nehmen die Masken ab. Verschnaufen. Über dem Viertel liegt ein ätzender Tränengasnebel. Ein paar Straßen entfernt geht es weiter. Eine Polizeieinheit wird mit Steinen beworfen. Einzelne von einem grünen Laser geblendet. Immer und immer wieder. Fast stoisch nehmen sie es hin.

Zusammen mit einer Gruppe Journalisten beobachten ich die Szene. Suche Deckung hinter ein paar Stützpfeilern. Als der Steinbewurf stärker wird, auch wir werden unter Bewurf genommen. Plötzlich: drei Detonationen. Dann stürmen die Cops vor. Einer wird festgenommen. Dann ist Ruhe im Viertel. Nach nicht mal einer Stunde ist das Spektakel beendet.

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Erste Demonstration in Athen

von Fred Kowasch, Athen

Demos in Athen laufen etwas anders ab. Kein Kooperationsgespräch mit den Behörden. Dafür Motorradhelme, Gasmasken, Sturmhauben.

05.12.2019
18 Uhr, am Treffpunkt der Demo für besetzte Häuser. Und gegen ein Räumungsmemorandum der Behörden. Maximal 20 Leute stehen bisher vor der Universität. Nach und nach trudeln Leute ein. Zunächst ein paar Hundert. Am Ende werden es mehr als 2500 sein. Fast alle in schwarz. Es dominiert 'North Face'. Andertalb Stunden passiert erst einmal nix. Außer dass ein paar Transparente an Latten festgetackert werden, griechische Musik läuft. Was äuffällt: nirgendwo ist ein Journalist zu sehen. Will niemand berichten? 

Als ich langsam Hunger bekomme - und mir in Hundert Meter Entfernung ein Baguette hole - sehe ich sie: die Teleobjektive und die Kollegen. In einer Nische gegenüber der breite Straße. "Too dangerous" sagt einer mit einer Videokamera um den Hals, als ich ihn deshalb anspreche. Ich erzähle ihn von meinem Gespräch mit einem Autonomen inmitten der schwarzen Masse gegenüber am Versammlungspunkt.

"No Photo". Als er näher kam, weil ich ein Übersichtsbild mit meinem Handy machte. Als er mitbekommt, dass ich aus Deutschland komme. Eine Langzeitdoku über den schwarzen Block mache. Da  huscht ein Lachen über sein Gesicht. Gibt er mir die Hand. Und sagt: "welcome".

Die Demo ist schnell erzählt. Forsch geht es über die grossen Straßen der Athener Innenstadt. Der Verkehr ist innerhalb von Minuten eingestellt, Geschäfte entlang der Strecke schließen in Windeseile. Es sieht nach Routine aus. Polizei in Kampfausrüstung geht der Demonstration Hundert Meter voraus. Als diese in der Nähe des griechischen Parlamentes kommt, stellen sich die Cops in der Nähe der gegenüberliegenden Hotels auf. Nix passiert. Die Demonstraten verharren kurz am Platz davor, ein paar schwarze Mittelfinger gibt es noch. Dann zieht die Demo zurück zum Ausgangspunkt. Denn Morgen ist auch noch ein Tag. Der Tag an dem am 6. Dezember 2008 ein Jugendlicher bei Auseinandersetzungen von einem Polizisten erschossen wurde. In Athen wird der Tag nur 'Griporopoulos' genannt. Und den Autonome, Besetzer und ihre Symphatisanten auf ihre Weise begehen.

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Diese Woche in Athen - Showdown um Exarchia

02.12.2019
Es ist ein Viertel inmitten der Athener Innenstadt. Bunt bemalte Fassaden, einprägsame Graffitti, Transparente und schwarz-rote Flaggen an besetzten Häuser. Das Anarchisten- und Autonomenviertel 'Exarchia' ist eines der letzten seiner Art. In den vergangenen Jahren hatten sie dort von den Behörden weitgehend Ruhe. Mit dem neuen griechischen Präsidenten hat sich dies allerdings geändert. Fassaden werden neu gestrichen, Besetzte Häuser geräumt, Anwohner durchsucht und festgenommen. In dieser Woche droht die finale Eskalation. 

exarchia athen
Bis Donnerstag (5. Dezember) haben die Behörden den zahlreichen Besetzern in Exarchia ein Ultimatum gestellt. Bis dahin sollen sie die von ihnen okkupierten Häuser verlassen. Der Termin ist von einiger Brisanz, da am 6. Dezember dort traditionell dem 15jährigen Alexis Griporopoulos gedacht wird. Er war vor elf Jahren bei Protesten im Viertel von einem Polizisten erschossen worden. Eine Gedenkplatte in Exarchia erinnert bis heute an ihn.
exarchia athen6interpool.tv plant, diese Woche von den Ereignissen aus Athen zu berichten. Für unser aktuelles Dokumentarfilmprojekt 'Inside Black Block' wollen wir dort Filmaufnahmen machen, wenn es geht, mit Beteiligten sprechen. Verfolgt die Ereignisse bei uns in unserem 'Drehtagebuch'. Independent Media gibt es nicht mehr so häufig.

Fotos: Fred Kowasch - All Rights Reserved

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'Ende Gelände'. Auf Tagestrip im Osten

30.11.2019 - 09:40 (update)
An diesem Wochenende wird nun auch im Osten protestiert. Und: weil sich die Organisatoren des Protestes vor gewalttätigen Hooligens und Rechtsextremen in der Region fürchten, reisen die Klimaaktivisten per einttägigem Bus- und Bahntrip von Berlin, Dresden und Leipzig an. Nach ersten Informationen sind jeweils rund 500 Kohlegegner in den Tagebau Jänschwalde und Welzow-Süd (in der Lausitz) eingedrungen. In diesem Zusammenhang spricht die Polizei Brandenburg von gewalttätigen Angriffen auf sie, bei denen drei Beamte leicht verletzt worden sein sollen. Auch habe sie Schlagstöcke und Pfefferspray eingesetzt. Im Süden von Leipzig (bei Neukieritzsch) sind gut 500 Demonstranten unterwegs. Auch sie sind mittlerweile in einem Tagebau. Videoaufnahmen zu Folge konnten sie von der Polizei weitgehend unbehelligt die Absperrungen überwinden. Um den Tagebau Schleenhain gilt ein Demonstrationsverbot.

interpool.tv hat die Proteste in den letzten Jahren mehrfach begleitet. Und festgestellt: so friedlich wie sich 'Ende Gelände' selbst darstellt, sind einige deren Anhänger nicht. Hier ein paar Bilder vom Juni, als Demonstranten am Tagebau Garzweiler eine Polizeikette durchbrachen ....

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Sky, DAZN, Magenta.sport, Netflix, Amazon Prime, Apple.tv+, Disney+, Hulu - Hilfe!!

Jüngst nach einem Waldspaziergang mit Freunden: "was für Medien habt ihr abonniert"? Der eine nutzt was noch frei zu lesen ist, zahlt aber nicht. Der andere hat ein Abo bei der NZZ, nutzt und spendet für 'Tichys Einblick'. Und ich? Magenta.sport - weil 'mein' Verein gerade in der 3. Liga spielt. DAZN (das Abo läuft aus). Wegen der EM-Qualifikation. Netflix? Schon lange gekündigt. Amazon Prime? Nein, wird mir zu viel. Gibt ja noch die Mediatheken von arte, 3sat, ARD und ZDF. Und ja, manchmal noch 'Die Zeit' und den 'Spiegel'. Gratis von Bekannten übermittelt. Die - politischen - 'Blätter' im Abo. Auch gerade erst gekündigt. Viele Artikel gib es dort, kurze Zeit nach Print-Erscheinen online eh umsonst. Und jetzt noch Apple.TV+, Disney+, Hulu??? .... HILFE!!

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Unterwegs: Matchday in der Premiere League

von Fritz Rainer Polter

Seit 1977, als der Titel „Match oft the day“ von Genesis erschien, ist es mein Traum, ein solches in England zu besuchen, und heute ist es endlich soweit. Das match oft the day heute in Liverpool bestreitet der hiesige Everton FC gegen West Ham United aus dem fernen London. Kloppo‘s Liverpool FC muss am folgenden Tag zu Manchester United. Eine Überlegung war es mir zwar wert, aber ich verzichte darauf, mir im Internet eine Karte für über 250,- Pounds zu besorgen – die Reisekosten kämen da auch noch drauf. Gehe ich halt zu Everton; die Beatles, wegen der ich hauptsächlich hier vor Ort bin, waren sowieso eher Everton Supporter, heißt es. Nun gut, so gegen Ende der 70er Jahre hat Paul McCartney eingestanden, nun doch eher zum FC Liverpool zu tendieren; ähnlich wie zu gleichen Zeit ein gewisser Frank Schöbel sich zu Lok Leipzig wechselte, und Chemie im Stich ließ. Ob jemals einer der Beatles in einem der beiden Stadien war, bliebe noch zu untersuchen. Eher nicht, heißt es in informierten Kreisen. Kein Verein hat länger in der Premier League gespielt als der 1878 gegründete Everton FC, doch die ganz große Zeit ist lange vorbei; der FA-Cup-Sieg aus dem Jahr 1995 ist bis heute der letzte große Erfolg des Vereins. Aber auf der Insel ist er, schon allein wegen der Tradition, immer noch eine der größten Nummern überhaupt.
IMG 1838 City   Mathew Street   Fußball Pub

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Klare Kante: Die 'linken' Feiglinge von Leipzig

von Fred Kowasch

06.11.2019
Es gibt Ereignisse, die sprechen für sich. Die Prokuristin einer Immobilienfirma privat aufzusuchen (nur weil ihre Firma in Leipzig-Connewitz baut) und ihr ins Gesicht zu schlagen, bis sie schwer verletzt ist, ist selbst in der eigenen Szene nicht mehr vermittelbar. Da hilft es auch nicht, wenn man die kritischen Kommentare unter dem Bekennerschreiben löscht. Es macht es nur noch ärger.

Vermummt, in der Gruppe und dann noch auf eine Frau. Was für Helden! Wie krank in der Birne muss man eigentlich sein, dass man so weit geht?! Die 'linken' Feiglinge von Leipzig prahlen im Internet dann auch noch mit ihrer Tat. Einen Grund zur Rechtfertigung gibt es immer. Nur jetzt - und dass hört man aus Leipziger Szenekreisen - ist der Bogen überspannt. 

Dabei waren diese Art von Übergriffe in Leipzig bisher keineswegs eine Seltenheit. Diese Art der 'Hausbesuchen' gab es beispielsweise am 12. Dezember 2015 beim Anmelder der 'Legida'-Demonstration. Dort wurde die Wohnung verwüstet. Ebenso wie die eines Lok-Hooligan am 13. November 2016. Diese Aktionen werden klandestin vorbereitet, laufen nach einem ähnlichen Muster ab. Sie lassen auf eine gründliche Vorbereitung im Vorfeld schließen.

Die 'linke(n)' Gruppe(n) arbeiten konspirativ. Fast wie ein kleiner Geheimdienst. Komplett abgekapselt. Der VS hat dort offenbar niemanden sitzen. Ideell unterstützt werden sie aus einem politischen Umfeld aus Teilen der 'Links'partei und einiger Szenejournalisten. Auch Supporter linker Leipziger Fußballvereine gehören dazu.

Bisher hat der Staat diese Gruppen weitgehend in Ruhe gelassen. Auch weil er nicht wirklich an die 'Szene' rankommt. Mit dem Überfall vom letzten Samstagabend hat sich dies nun geändert.

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Straßenkrawalle im Leipziger Süden am 12. Dezember 2015 (Danke an den - uns bekannten - Fotografen)

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Grand Depart 2017: Ein Sport-Journalist verklagt die Stadt Düsseldorf

AKTUELL: Verwaltungsgericht - Stadt Düsseldorf muss Tour-de-France-Vertrag offenlegen

21.10.2019
Der freie Sport-Journalist Ralf Meutgens hat - mit Hilfe des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV) - die Stadt Düsseldorf verklagt. Es geht um die Herausgabe des Vertrages der Stadt mit dem Tour de France-Veranstalter A.S.O.. Düsseldorf war im Juli 2017 Startort des bekanntesten Radrennens der Welt. Mittlerweile ist bekannt: Düsseldorf hat mit dieser Veranstaltung Millionen Euro an Verlusten gemacht. Millionen Euro Miese an Steuergeld. Oberbürgermeister Thomas Geisel - ein begeisteter Hobbyradfahrer - ist nun merklich in der Bredouille. Zumal das Verwaltungsgericht der NRW-Landeshauptstadt signalisiert hat: die Öffentlichkeit hat einen Anspruch auf Einsichtsnahme in diesen Vertrag. Ein Vertrag, der noch für einigen Gesprächsstoff sorgen könnte.


Disclaimer: Der Betreiber dieser Webseite (Fred Kowasch) hat zusammen mit Ralf Meutgens im Oktober 2016 für die WDR-Sendung 'Sport inside' einen Film über die umstrittene Austragung von Düsseldorf als Startpunkt der Tour de France 2017 realisiert. Er hat Ralf Meutgens zum Ablauf der Verhandlung vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf am 21.10.2019 befragt.

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Dokumente: Der Rechnungsprüfbericht der Stadt Düsseldorf zum Grand Départ

7,8 Millionen Euro Miese. 7,8 Millionen Euro an Steuergeld. Für ein Radsportspektakel in der Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen. Für den Profit eines privaten französischen Sportveranstalters. Wer in dem vertraulichen 'Bericht über die Prüfung der finanziellen Abwicklung des Grand Départ' der Stadt Düsseldorf vom 2. Juli 2018 blättert, reibt sich verwundert die Augen ....  

Allein 4,5 Millionen Euro zahlte die Stadt Düsseldorf dem französischen Veranstalter 'Amauri Sport Organisation' (A.S.O.) an Lizenzkosten für den Auftakt der Tour de France 2017. Hinzu kam eine halbe Million Euro für das Recht "die Hospitality-Aktionen zu entwickeln und zu vermarkten ....". Und, und, und. Der 31seitige Bericht des Rechnungsprüfamt der Landeshauptstadt Düsseldorf hat es in sich. Aus ihm haben wir - im Interesse der Öffentlichkeit - ein paar Auszüge veröffentlicht. Lest selbst! 

rechnungsprüfungsbericht duesseldorf 2018 1

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5 Jahre später: 'Inside HogeSa' am Samstag (20 Uhr) - FREE-ONLINE-Premiere

hogesa kino2Lutz Bachmann 'feierte' am vergangenen Sonntag das fünfjährige Bestehen von 'Pegida'. Gut 3.000 waren nach Dresden auf den Neumarkt gekommen. Nur ein Bruchteil dessen, was die 'Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes' in ihren Hochzeit mobilisieren konnte.

5 Jahre ist es am 26. Oktober auch her, dass die 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) in der Kölner Innenstadt ihre aufsehen-erregende Demonstration durchführten. Die Polizei hatte diese zwar zwischendrin für aufgelöst erklärt, aber dass kümmerte die Meisten der - geschätzt - fast 5.000 Teilnehmer nicht wirklich.

Am Ende gab es dann noch ein paar Flaschen auf die Cops, ein Polizeibulli fiel, ein zweiter wankte bedenklich. An diesem 26. Oktober 2014 hatte die Polizeieinsatzleitung - der damalige NRW-Innenminister hieß Ralf Jäger - die Lage über Stunden nicht mehr unter Kontrolle.

hogesa kino1Wer diese Bilder noch einmal sehen will, sich in die Zeit zurück versetzen möchte, hat an diesem Samstag ab 20 Uhr die Gelegenheit dazu.

Zum ersten Mal überhaupt wird 'Inside HogeSa' - Von der Strasse ins Parlament im Internet von uns for FREE ausgestrahlt.

Und: Zur ONLINE-PREMIERE zeigen wir dann extra auch den - um 15 Minuten längeren - 'Director's Cut'. Seid dabei - FOR FREE!

Dass dieser Dokumentarfilm auf großes Interesse stösst, verdeutlichen die öffentlichen Vorführungen, die bisher organisiert wurden. Vor drei Wochen erst auf der städtischen Veranstaltung Frei_Raum inmitten der Leipziger Innenstadt.

Gut 50 Leute kamen. Unter Ihnen Alt-Hools von Lok und Chemie, AfD-Wähler, Bundesverdienstkreuzträger. Sogar Teile der Connewitzer Szene - unter Ihnen die 'Linke'-Landtagsabgeordnete Juliane Nagel - verfolgten die Dokumentation. Danach gab es eine sachliche Diskussion. Es geht eben doch.

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Ruhrpott: Gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken

17.10.2019
Am Montag 'knallte' es in Herne. Da stürmten kurdische Demonstranten ein von Türken betriebenes Café. Die Polizei war - vor Ort - sichtbar überfordert. Gestern dann gewaltsame Auseinandersetzungen in Bottrop und Lüdenscheid. In Bottrop wurden acht Personen verletzt, darunter fünf Polizisten. Mehrere Personen wurden vorläufig festgenommen. In Lüdenscheid wurde einem türkischstämmigen Deutschen ein Messer in den Rücken gestochen. Die Auseinandersetzungen stehen im Zusammenhang mit dem Krieg der Türkei gegen die Kurden in Nordsyrien.

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Im Original. Zum Download: Das Nike-Oregon-Projekt (pdf, 4 mb, March 17, 2016)

11.10.2019
Da wurde der öffentliche Druck wohl zu groß: After Salazar Ban, Nike shuts down the Oregon Project. Wenige Tage nach dem Ende der Leichtathletik-WM zieht der US-Sportartikelhersteller die Reißleine. Zu viele geleakte Mails, zu viel negative Presse. Dürfte interessant sein, wo Konstanze Klosterhalfen - die deutsche WM-Bronzemedaillengewinnerin über 5.000 Meter - zukünftig trainiert.

nike oregon project02.10.2019
Was für ein 'Zufall'. Passend zur laufenden Leichtathletik-WM 2019 im Wüstenstaat Katar die Sperre für einen umstrittenen Trainer. Einen besseren Zeitpunkt der Aufmerksamkeit konnte die amerikanische Anti-Dopingbehörde USADA eigentlich nicht finden. Im Raum steht die Anwendung verbotener Substanzen, die Verschleierung von Daten in Verbindung mit Dopingkontrollen und der Besitz und Handel mit Testosteron (Entscheidung USADA, .pdf).

Im Klartext: vier Jahre Sperre für Alberto Salazar. Nach jahrelangen Ermittlungen gegen ihn und seine Trainingsgruppe.

Das NIKE-Oregon-Projekt des amerikanischen Trainers Alberto Salazar. Bereits in der Vergangenheit standen seine Methoden - mit denen er Langstreckenläufer an der amerikanischen Westküste betreut - unter dem Verdacht der Manipulation

Vor allem seitdem die Hackergruppe 'Fancy Bears' - zusammen mit anderen brisanten Dokumenten - vor knapp drei Jahren den internen Bericht der amerikanischen Anti-Dopingbehörde USADA in die Öffentlichkeit lanciert hatte. Ein Dokument, dass es in sich hat. Und dass wir - im Sinne der Aufklärung und Transparenz - nun erneut publik machen.

Vor allem vor dem Hintergrund, da mit Konstanze Klosterhalfen seit knapp einem Jahr dort eine deutsche WM-Medaillenkandidatin trainiert - Eine Läuferin in zweifelhaftem Millieus. Die 22jährige, die als eine der Mitfavoritinnen über die 5.000 Meter in Katar gilt, verbesserte zu den Deutschen Meisterschaften Anfang August in Berlin ihre zwei Jahre alte Bestzeit um mehr als 24 Sekunden.

pdf Der Bericht der amerikanischen Anti-Doping-Behörde USADA zum NIKE-Oregon-Projekt

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Die historische Montagsdemonstration von Leipzig - Serie: 'Mit Faust und Kerze' (6)

In Leipzig jedoch stehen an diesem 9. Oktober die Zeichen auf Sturm. Noch zu gut ist vielen ein Artikel der Leipziger Volkszeitung (LVZ) vom vergangenen Freitag in Erinnerung, in dem ein Kommandeur der DDR-Kampfgruppen mit dem Demonstranten abrechnet. Es sei an der Zei, "diese konterrevolutionären Aktionen endgültig und wirksam zu unterbinden. (....) "Wenn es sein muß, mit der Waffe in der Hand!"

Für diesen 9. Oktober haben die Sicherheitskräfte in der Messestadt Einiges aufgefahren. Mehr als 3.000 Polizisten und acht Kampfgruppenhundertschaften sind im Einsatz. Ausgerüstet sind sie mit Wasserwerfern, LKW mit Sperrschildern und Schützenpanzerwagen. Daneben stehen 1.500 Soldaten der NVA in Bereitschaft. Hinzu kommen 5.000 so genannte "gesellschaftliche Kräfte" – unter ihnen viele SED-Mitglieder und Mitarbeiter der Karl-Marx-Universität - die sich den Demonstranten entgegenstellen sollen. 


Auf der anderen Seite mahnt die oppositionelle Sammlungsbewegung 'Neues Forum' zum Gewaltverzicht. Auch in einem Appell von Leipziger Menschenrechtsgruppen ist dies das bestimmende Thema:



"Enthaltet Euch jeder Gewalt! Durchbrecht keine Polizeiketten, haltet Abstand zu Absperrungen! Greift keine Personen oder Fahrzeuge an! Werft keine Gegenstände und enthaltet Euch gewalttätiger Parolen! Seid solidarisch und unterbindet Provokationen! An die Einsatzgruppen appellieren wir: Enthaltet Euch der Gewalt! Reagiert auf Friedfertigkeit nicht mit Gewalt! Wir sind ein Volk!"

Das Unerwartete geschieht. Nach dem Friedensgebet, dass an diesem Montag in vier Kirchen abgehalten wird – versammeln sich Zehntausende auf dem nahe gelegenen Karl-Marx-Platz. Sie rufen: "Keine Gewalt" und "Wir sind das Volk".

Die Menge marschiert friedlich in Richtung Hauptbahnhof, später am Kaufhaus 'Konsument' entlang, an der Stasi-Zentrale vorbei. Niemand hält sie auf, keine Polizeikette stellt sich ihr in den Weg. Die DDR-Staatsmacht hat an diesem 9. Oktober in Leipzig vor annähernd 100.000 friedlichen Demonstranten ihre Allmacht aufgegeben.

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Die Demonstrationen von Ost-Berlin am 7./ 8.10.'89 - Serie: 'Mit Faust und Kerze' (5)

Am 7. Oktober 1989, dem 40. Jahrestag der DDR, treffen sich um 16 Uhr an der Weltzeituhr auf dem Alexanderplatz Jugendliche, unter ihnen zahlreiche Skinheads. Bereits Tage vorher macht in Ost-Berliner Hooligangkreisen das Gerücht die Runde, an diesem Tag die 'Bullen aufzuklatschen'. Hinzu kommt, dass an diesem Tag dort Oppositionelle gegen die Fälschungen der DDR-Kommunalwahl im vergangenen Mai protestieren wollen. Wie an jeden 7. des Monats in Ost-Berlin. 



17 Uhr – die Menschenmenge ist auf ein paar Hundert Jugendliche angewachsen – werden politische Losungen gerufen. Es gibt ein Gerangel mit zivilen Sicherheitskräften. Ein ARD-Fernsehteam filmt die Vorgänge. Im gegenüberliegenden Hochhaus entscheidet zu dieser Zeit die dort postierte Polizeieinsatzleitung, den Alexanderplatz nicht zu räumen.



Gegen 17:20 Uhr läuft die Gruppe – mittlerweile auf 3.000 Menschen angewachsen - in Richtung Palast der Republik, wo zur gleichen Zeit eine Veranstaltung mit dem als Reformer bekannten sowjetischen Staats- und Parteichef Michail Gorbatschow statt findet. Auf der Brücke vor dem Gebäude verperrt eine Polizeikette den Demonstranten den Weg. Es kommt zu verbalen Auseinandersetzungen. In der Folge werden 20 Polizisten ausgetauscht, weil sie bespuckt und beleidigt werden, der Situation nicht mehr gewachen sind.



Auch an einer weiteren Brücke versucht versucht die Polizei, Demonstanten am Weitergehen zu hindern. Die DDR-Sicherheitskräfte befürchten, dass die aufgebrachte Menge auf das Brandenburger Tor zu marschiert. Wenig später ziehen sich die Demonstranten über die Karl-Liebknecht-Strasse in Richtung Prenzlauer Berg zurück. Als sie das Gebäude der staatlichen Nachrichtenagentur ADN passieren, treffen sie auf eine weitere Straßensperre. Hier greifen zivile Trupps der DDR-Staassicherheitsbeamte brutal zu. Es gibt Festnahmen, im DDR-Sprachgebrauch werden sie auch Zuführungen genannt. 
Die Menge der Demonstranten ist inzwischen auf 5. bis 7.000 Personen angewachsen, 
sie bewegt sich in Richtung Gethsemanekirche. Dort findet, wie in den vergangenen Tagen, eine Mahnwache und Führbittgottesdienste für die in Leipzig Verhafteten statt. 


An einer Strassenkreuzung im Prenzlauer Berg treffen sie auf eine weitere Sperrkette. Die Demonstranten durchbrechen die menschliche Barriere aus Mitgliedern der FDJ-Ordnungsgruppe und gelangen damit - nahezu unbehindert – zum damaligen Zentrum der Ost-Berliner Opposition. Im weiteren Verlauf des Abends zieht die Polizei im Prenzlauer Berg starke Kräfte zusammen, richtet dort weitere Strassensperren ein. Auch hier kommt es zu brutalen Festnahmen.

Am 8. Oktober, einem Sonntag, finden in Ost-Berlin zum Anlass des 40. Jahrestages der weitere öffentliche Straßenfeste statt. So auch am Alexanderplatz, im Zentrum der Stadt. Und nur zwei Kilometer vom Brandenburger Tor entfernt. 



Die Einsatzkräfte haben für diesen Tag aufgerüstet. Gehen sie jedoch davon aus, dass zahlreiche frustrierte Ausreiseantragsteller in Richtung Mauer marschieren wollen. Außerdem machen – wie auch schon in Dresden und Leipzig zuvor – Gerüchte die Runde, aufgebrachte Jugendliche würden Polizisten 'hängen' wollen. 


Die 2.000 Besucher der Ost-Berliner Gethsemanekirche sehen sich in dem Abendstunden vor dem Sakralbau einem großen Polizeiaufgebot gegenüber. Fast alle Zufahrtsstrassen sind abgesperrt. Friedliche Demonstranten mit brennenden Kerzen treffen auf hoch gerüstete Sicherheitskräfte, die diesmal Lastwagen mit Stahlgittern aufgefahren haben. 



An diesem Abend kommt es immer wieder zu Attacken. Einsatzkräfte werden beschimpft, mit Steinen, Flaschen und Dreck von Balkonen beworfen. Polizeikräfte dringen deshalb in Wohnungen ein. In der Nacht auf dem 9. Oktober kommt es rund um die Gethsemanekirche dann zu - teils - wahllosen Festnahmen. Frauen und Unbeteiligte werden auf Einsatzfahrzeuge geladen und in sogannte 'Zuführungspunkte' außerhalb der Stadt gebracht. Dort müssen sie sich entkleiden, stundenlang in der Kälte stehen.

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Zeitgeschichte: Übergriffe in anderen Städten - Serie: 'Mit Faust und Kerze' (4)

Mittlerweile haben die Demonstrationen auch auf andere Städte übergegriffen. Es kommt es am 7. Oktober auch in Karl-Marx-Stadt, Jena, Magdeburg und Arnstadt zu Protesten wütender DDR-Bürger. Im vogtländischen Plauen wird ebenfalls demonstriert. Auch hier wird – ähnlich wie in Dresden zuvor – die Durchfahrt von Züge mit Flüchtlingen aus Prag erwartet. 10.000 Menschen sind auf den Beinen, ihnen stehen bewaffnete Sicherheitskräfte mit Wasserwerfern gegenüber. Zusätzlich schwebt ein Polizeihubschrauber über den Demonstranten. Wütend ziehen sie vor das Rathaus, das fast gestürmt wird. Dabei kommt es zu Übergriffen – auf beiden Seiten. Demonstranten werden verprügelt. Einige von ihnen greifen die Polizisten jedoch auch an, beschädigen einen Wasserwerfer. Stundenlang bekommen die Einsatzkräfte die Lage an diesem Tag nicht unter Kontrolle.



In Leipzig wird an diesem 7. Oktober erneut demonstriert. An diesem Tag sind die Kirchen der Innenstadt jedoch geschlossen. Trotzdem versammeln sich einige Menschen in der Innenstadt. Sie sehen sich einer zunehmend brutaler agierenden Staatsmacht gegenüber, die bei den Festnahmen keine Gnade mehr kennt.

 Sie setzen Polizeihunde und - erstmals - auch einen Wasserwerfer ein. Am Rande der Proteste greifen Hooligans des 1. FC Lokomotive Leipzig zivilie Sicherheitskräfte an. Und: in einer Gefangenensammelstelle kommt es zur Revolte. Dort werden die Staatsorgane mit Möbelteilen attakiert.

Ähnliche Szenen gibt es am 7. und 8. Oktober auch wieder in Dresden. Hier gewinnen langsam die friedlichen Demonstranten gegenüber den gewaltbereiten Protestierern – unter ihnen viele Ausreisantragsteller – die Oberhand. Am Abend des 8. Oktober werden auf der Prager Straße Protestierende von Polizeieinheiten eingekesselt. Als sie sich singend – und mit Kerzen in den Händen niederlassen – initieren zwei Kaplane ein Gespräch mit dem Polizeieinsatzleiter. Sie werden aufgefordert, aus ihren Reihen ein Verhandlungsteam zusammenzustellen. Die Dresdener 'Gruppe der 20' entsteht. Sie soll in den folgenden Tagen Gespräche mit offiziellen SED-Vertretern führen. Die Demonstranten können an diesem Abend ungehindert nach Hause gehen.

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Zeitgeschichte: Die Ereignisse von Dresden - Serie: 'Mit Faust und Kerze' (3)

Am Abend des 3. Oktober 1989 spitzt sich die Situation auf dem Dresdener Hauptbahnhof zu. Der Grund: mehrere verschlossene Züge mit Botschaftsflüchtlingen aus Prag sollen über Dresden in die Bundesrepublik rollen, wie schon wenige Tage zuvor. Das man hier vielleicht noch auf die Züge gen Westen aufspringen kann, hat sich unter Ausreiseantragstellern in der ganzen DDR herumgesprochen. Hinzu kommt, dass die DDR aufgrund der Vorfälle in Prag, für Reisen in die CSSR einen Visumszwang eingeführt hat. 



Gegen Mitternacht versammeln sich auf dem Hauptbahnhof etwa 2.000 Menschen, wollen auf die Züge gen Westen aufspringen. Es kommt zu Bahnsteigblockaden. "Wir wollen raus", hallt es durch die Dresdener Kuppelhalle. Die DDR-'Volkspolizei' hat bis in die frühen Morgenstunden zu tun, die Ausreisewilligen – die zu allem bereit sind – aus dem Bahnhof zu drängen. 



Ähnliche Szenen wiederholen sich am 4. Oktober. Diesmal sind allerdings bis zu 20.000 Menschen zum Dresdener Hauptbahnhof gekommen. Als es dunkel wird, versuchen einige Hundert von Ihnen den Bahnhof zu stürmen. Sie wollen – wie am Vortag – zu den Zügen, die nach einer Verspätung von mehr als 20 Stunden Prag mittlerweile gen Dresden verlassen haben. 





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Zeitgeschichte: Der 2. Oktober 1989 in Leipzig - Serie: 'Mit Faust und Kerze' (2)

Nach dem Friedensgebet, das an diesem Montag bereits in zwei Leipziger Innenstadtkirchen ausgerichtet wird, strömen zwischen 20. bis 25.000 Menschen auf den zentral gelegenen Karl-Marx-Platz. Von dort aus geht es erneut in Richtung Hauptahnhof, wo die Demonstranten auf massive Polizeiketten treffen. 
Hier kommt es zur Gewalt. Hooligans des Fußballclubs 1. FC Lokomotive Leipzig greifen, so berichten es mehrere Augenzeugen, die Polizisten direkt an. Es kommt zu Schlägereien. Polizeimützen werden entwendet, Gummiknüppel gestohlen. Die Absperrung der Polizei wird durchbrochen – die Demonstranten können weiter laufen.



Ähnliches passiert wenig später erneut. Diesmal in der Nähe des Kaufhauses 'Blechbüchse'. "Durch Gruppen Jugendlicher und Einzelpersonen wurden die Sperrketten der DVP (Deutsche Volkspolizei, die Redaktion) durchbrochen. Dabei gab es tätliche Angriffe gegen VP-Angehörige und grobe Beschimpfungen." So steht es in einer internen SED-Information vom Tag danach. Dem 3. Oktober 1989.



Nachdem sie die Polizeiketten durchbrochen hatten gehen rund 1.500 Demonstranten 
auf dem Ring weiter, passieren die Leipziger Bezirksbehörde der Staatssicherheit, die sogenannte ‚Runde Ecke’. Wenige hundert Meter weiter schlägt die Polizei mit 'Sonderkräften' vor der Thomaskirche zu. Schlagstöcke und Hunde werden eingesetzt. Es kommt zu Verletzten und zahlreichen vorläufigen Festnahmen. Was neu ist: in der Nähe des Marktplatz wehren sich Hooligans, Punks und Anarchisten gemeinsam und körperlich gegen die Angriffe der Staatsmacht. Immerhin: die Leipziger Demonstranten haben es an diesem 2. Oktober 1989 zum ersten Mal geschafft, den halben Innenstadtring zu umrunden. Weiter waren sie bisher noch nie. 



An diesem Tag wird in der Ost-Berliner Gethsemanekirche unter dem Motto: "Freiheit für die politisch Inhaftierten" eine ständige Mahnwache eingerichtet. Sie ist als moralische Unterstützung für die immer noch in Haft sitzenden 19 Leipziger Oppositionellen gedacht. In den Tagen danach entwickelt sich die Gethsemanekirche immer mehr zu einem Kommunikationszentrum der Opposition. Zu einer Anlaufstelle für besorgte und empörte Jugendliche, aber auch für wissbegierige westliche Journalisten.

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Zeitgeschichte: Die Situation bis zum Herbst '89 - Serie: 'MIt Faust und Kerze' (1)

Seit Beginn des Jahres war die innenpolitische Situation in der DDR durch zahlreiche Demonstrationen und Proteste geprägt. Während sich diese in den Jahren zuvor, vorallem im Umfeld der Kirchen konzentrierten, kam es ab Januar 1989 zu neuen Protestformen. Die Demonstraten verließen bewusst dass schützende Dach der Kirche, suchten die öffentliche Auseinandersetzung mit dem DDR-Staat.

Bereits am 15. Januar 1989 kam es in der Leipziger Innenstadt zu einer unabhängigen Demonstration für Presse-, Meinungs,- und Versammlungsfreiheit. Obwohl 53 Menschen vorläufig festgenommen wurde - und die Organisatoren der Demonstration in Haft saßen - kamen alle in den Tagen danach wieder frei. Dies ermunterte die Leipziger Organisatoren zu weiteren öffentlichkeitswirksamen Aktionen.

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Am 7. Mai 1989 wurde auf dem Marktplatz gegen die DDR-Einheitswahl protestiert, im Juni ein Umweltmarsch abgehalten und ein Straßenmusikfestival in der Innenstadt organisiert. Bei all diesen Aktionen gab es vorläufige Festnahmen und saftige Geldstrafen.

Aber auch in anderen Städte wurde gegen den Ausgang der DDR-Kommunalwahlen protestiert. So veranstalteten Oppositionelle in Ost-Berlin am 7. Juni eine Schweigemarsch gegen die gefälschten Ergebnisse der 'Einheitswahl'. Auch hier griff die DDR-Staatsmacht zu.

Währenddessen verlassen Tausende von Ausreiseantragstellern die DDR via Ungarn in Richtung Westen. Eine innenpolitische Krise deutet sich an.

Am 4. September - nach der Sommerpause bei den montäglichen Friedensgebeten in der Nikolaikirche - entrollten Leipziger Oppositionelle erstmals öffentlich Transparente. Auf einem stand: "Für ein offenes Land mit freien Menschen". Auf einem anderen: "Reisefreiheit statt Massenflucht". Zivilkräfte der DDR-Staatssicherheit griffen brutal zu, entrissen den Protestierenden die Transparente.

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"Stasi raus, Stasi raus". Den Protest vor den westlichen TV-Kameras konnten sie an diesem Messemontag in der Leipziger Innenstadt jedoch nicht verhindern. Wenig später ziehen ungefähr 500 Menschen - angeführt von Ausreiseantragstellern, die ihr Anliegen in die westlichen Kameras rufen - in Richtung Hauptbahnhof.

Für ihre öffentliche Niederlage revanchierten sich die DDR-Sicherheitsorgane in den Wochen danach. Sowohl am 11. und 18. September war der Nikolaikirchhof von Polizisten hermetisch abgesperrt, gab es zahlreiche vorläufige Festnahmen. Gegen mehr als ein Dutzend Leipziger Bürgerrechtler wurden sogar Haftbefehle erlassen.

Am 25. September gelang es dann - im Anschluß an das Montagsgebet in der Nikolaikirche - eine Demonstration zu veranstalten. Rund 5.000 Menschen schlossen sich ihr an. Sie forderten Reformen in der DDR und die Zulassung der oppositionellen Sammlungsbewegung 'Neues Forum'. Vom nahe gelegenen Karl-Marx-Platz zogen sie über den Innenstadtring bis zum Leipziger Hauptbahnhof. Die DDR-Sicherheitskräfte wirkten an diesem Tag überrascht, überfordert. Dies war der größte Protestmarsch bis dahin in der DDR, seit dem Aufstand vom 17. Juni 1953. Stasi-Chef Erich Mielke bewertete die Ereignisse so:

"Insgesamt ist einzuschätzen, dass unter solchen Bedingungen wie am 25. September 1989 in Leipzig, ohne den Einsatz polizeilicher Mittel, z. B. Wasserwerfer und Schlagstöcke, sowie die polizeiliche Zuführung und Gewahrsamsnahme einer größeren Anzahl von Personen die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit nicht mehr zu gewährleisten ist."

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Serie: Mit Faust und Kerze - Warum die 'Friedliche' Revolution so friedlich nicht war

von Fred Kowasch

Die Ereignisse vom Herbst 1989 gelten - nicht nur unter Historikern - als 'Friedliche Revolution'.Als einzige Revolution in der deutschen Geschichte, die erfolgreich endete und unblutig verlief. Symbole wie brennende Kerzen, Begriffe wie 'Gewaltloser Widerstand' und die Rufe "Wir sind das Volk" sind es, die das Bild von den Ereignissen in Leipzig, Dresden, Plauen und Berlin auch nach 30 Jahren öffentlich prägen.

Dieses überlieferte Bild ist - in Teilen – ungenau und unzutreffend. Gleichwohl verliefen fast alle Demonstrationen und Protestaktionen bis in den Herbst '89 hinein friedlich. Zwischen dem 2. und 8. Oktober eskalierte jedoch die innenpolitische Lage.

In Leipzig durchschlugen am 2. Oktober aufgebrachte Demonstranten auf dem Innenstadtring mehrere Sperrketten der Polizei, griffen am 7. Oktober Hooligans Staatssicherheitsangehörige an, kam es zur Rebellion in einer Gefangenensammelstelle.

In Dresden bestimmten bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen das Bild. Vor dem Hauptbahnhof wurden Wasserwerfer und Tränengasgranaten von Sicherheitskräften eingesetzt. Behelmte Demonstranten zerstörten Geschäfte und bewarfen die Einsatzkräfte mit Steinen und Molotowcocktails. Ein Polizeieinsatzwagen brannte vollständig aus.

In Ost-Berlin – der Hauptstadt der DDR - wurden Sicherheitskräfte angegriffen, sahen sich die Ordnungshüter des 'Arbeiter- und Bauernstaates' massiven Anfeindungen ausgesetzt.

In Plauen flogen Plastersteine, wollten wütende Demonstranten das Rathaus der Stadt stürmen. Während der Auseinandersetzungen konnte sich der Fahrer eines zum Wasserwerfer umfunktionierten Wagens der Feuerwehr nur in letzter Minute vor den militanten Angreifern retten.

interpool.tv legt diese Ereignisse in einer Serie detailliert dar. Fakten und Begebenheiten, die es in dieser Dichte so noch nicht gab. Und die belegen: die offizielle Sichtweise auf die 'friedliche Revolution' in der DDR ist ungenau. Wenn nicht sogar in Teilen falsch.

Für diese Enthüllungsgeschichte haben wir in zahlreichen Archiven recherchiert, uns in den vergangenen Jahren mit den damaligen Einsatzleitern der DDR-Polizei von Ost-Berlin und Leipzig getroffen. Aber auch mit Demonstranten gesprochen, die damals selbst Gewalt ausgeübt haben. Eine Hintergrundstory, die es in sich hat.

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Medien: "Wir simulieren Investigation nur." - Über die 'harten' Enthüller vom ZDF

Eine Hintergrundanalyse von Fred Kowasch

Es ist die eigentliche Aufgabe politischer Journalisten Vertreter der Macht zu kontrollieren. Dazu gehören auch Interviews, die hart in der Sache sind. Nur: diese Art der Befragung ist - im Fall Höcke - von Anfang darauf angelegt, zu eskalieren. Und: sie ist bigott dazu. Denn: wo finden sich diese Art der Interviews im ZDF gegenüber Regierungsvertretern? Schon mal gesehen, dass ein Journalist dort Angela Merkel hart zu den Folgen des Herbstes 2015 befragte? Dass Heiko Maas - als er als Justizminister Bürgerrechte massiv 'schleifte' - derart in die Mangel genommen wurde?

Man wird sie im ZDF nicht finden. Weil es sie nicht gibt. Weil deren exponierte Vertreter selbst Mitglieder in diesen Parteien sind. Oder aber ihnen politisch nahe stehen. Beispielsweise Chefredakteur Peter Frey. Im Sender wird seit Jahren über seine Nähe zur "rechten SPD" gesprochen. Seine Stellvertreterin Bettina Schausten "segelt" (ja so nennt man dass intern) "auf einem CDU-Ticket". Ebenso wie Theo Koll (Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios / Berlin-Direkt) oder Wulf Schmiese als Redaktionsleiter vom 'Heute Journal'. Mit dem Höcke-Interview führt sich das ZDF in erster Linie selbst vor. Wie sagte ein Kollege aus dem Sender einst so treffend zu mir: "Wir simulieren Investigation nur." Recht hat er.

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Vor 30 Jahren: Erstmals Transparente vor der Nikolaikirche (4. September 1989)

von Uwe Schwabe

"Nach dem Kirchentag gingen die Friedensgebete in die Sommerpause. Während dieser Zeit versuchte die Staatsführung den Kirchenvorstand von St. Nikolai dahingehend zu beeinflussen, die Friedensgebete am 4. September nicht wieder beginnen zu lassen. Der Kirchenvorstand lehnte jedoch dieses Ansinnen ab. So wurde das erste Friedensgebet wie geplant am ersten Montag im September, dem Messemontag durchgeführt.

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Auch den Mitgliedern der Basisgruppen war klar, daß von den Ausreiseantragstellern, denen man den Weg nach Ungarn oder in die CSSR versperrt hatte, wieder eine spontane Demonstration ausgehen würde. Die große Öffentlichkeit durch westliche Joumalisten sollte diesmal aber nicht alleine den Antragstellern überlassen werden. Einige Mitglieder von Basisgruppen entschieden sich, mit eigenen Transparenten an die Öffentlichkeit zu gehen.

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Klare Kante: Wenn Bürger von 'der Stange gehen' ....

Ein Kommentar von Fred Kowasch

Da half kein Jammern und Flehen, dass Kreuz doch "an der richtigen Stelle" zu machen. Und bitte, bitte "nicht AfD wählen".

Die Klatsche kam, wie sie kommen musste. 27 plus, so wie in einer Wette vorhergesagt. Der Wahlerfolg für die 'Alternative für Deutschland' wäre sicher noch höher ausgefallen, hätte sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nicht so in Zeug gelegt. Wer ihn einmal vor Ort im Gespräch mit den Leuten erlebt hat - wie wir im April 2018 am Rande eines Musikfestivals von Rechtsextremen in Ostritz - der bekam mit, hier gibt sich einer wirklich Mühe. Hier versucht sich einer, einem Trend emsig und engagiert entgegenzustellen.

Da hilft jetzt auch keine Wählerbeschimpfung mehr. Das - gerade in extrem-'linken' Kreisen - zu oft wiederholte Mantra von Sachsen als einem braunen "Stück S......". Nur weil andere eine andere Auffassung haben, die AfD wählen. Immerhin ist dies ihr demokratisches Grundrecht. 600.000 waren es diesmal in Sachsen, 5,8 Millionen bundesweit bei der letzten Bundestagswahl. Auch wenn sich die CDU-Politiker jetzt noch medienwirksam zieren, über kurz oder lang wird es eine Tolerierung, Duldung oder Koalition mit der AfD geben. Erste - interne - Anzeichen dazu gibt es bereits. In SPD und CDU.

'Natürliche Verbündete' fühlen sich nun einmal zueinander hingezogen. Denn der rasante Aufstieg der AfD ist auch dadurch zu erklären, dass die CDU die 'rechte Flanke' praktisch aufgegeben hat. Und: in der Regierungsverantwortung haben schon viele Kreide gefressen. Der 'Linke'-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Thüringen) ist das beste Beispiel dafür. 

Anders wird es kaum gehen. Denn gerade die bisherige Ausgrenzung, das Verwenden von formellen Verwaltungstricks wie gerade bei der Listenzulassung in Sachsen, bewirken nur Eines: dass sich die Reihen der AfD umso fester schliessen. Immer mehr frustrierte Menschen Zugang zu Ihnen finden. Denn viele Bürger erreicht diese Politik eben nicht mehr. Da ist ein Michael Kretschmer einfach zu wenig. (02.09.2019, update 04.09.2019)

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VOD: Hamburger Gitter (Dokumentarfilm, 77 min, leftvision 2018)

41 Wasserwerfer, 3.000 Einsatzfahrzeuge, über 31.000 Polizisten. Der größte deutsche Polizeieinsatz ever. Die Dokumentation beschäftigt sich mit dem G-20-Gipfel Anfang Juli 2017 in Hamburg. Sie thematisiert die Polizeistrategie, stellt sie in einen größeren Zusammenhang. Den von einer generellen Verschärfung der Gesetze zur 'Inneren Sicherheit'.  Verdienstvoll, wenn der Film dabei aufzeigt, welche Grundrechte auf der Strecke bleiben. Wer die Auflösung der 'Welcome to Hell'-Demonstration am 6. Juli 2017 vor Ort selbst miterlebt hat, erinnert sich - mit Rechtsstaat hatte dies Nichts mehr zu tun.



Gleichwohl hat die Doku eine bedenkliche Schlagseite. Von den 17 Interviewpartnern unterstützen 16 eine ähnliche Sichtweise. Außerdem: die gewaltsamen Krawalle von Autonomen und Teilen des 'Black Block' - der sprichwörtliche Aufstand im Schanzenviertel - wird so gut wie nicht thematisiert. Dass macht den Film inhaltlich angreifbar. 'Gefördert duch: Rosa-Luxenburg-Stiftung' tut dann ihr übriges. Dennoch: ansehen und selbst urteilen. Der Film ist mittlerweile kostenlos im Netz zu sehen. Ein ganz großes Plus deshalb für die gesamte Crew.

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Zeitgeschichte: "Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne ...."

von Fred Kowasch

Es gibt dieser Tage ein gern verwendetes schwarz-weiss Photo. Ein paar Jugendliche - untergehakt - auf einer Demonstration im Anschluß an ein Friedensgebet in der Leipziger Nikolaikirche. Aufgenommen  von einem SPIEGEL-Photographen am Abend des 4. September 1989. Dieses Photo vermittelt ein falsches Bild. 

Denn die Situation - so erzählen es die Beteiligten übereinstimmend - zeigt eben keine Demonstration, die da gleich mit Hunderten durch die Leipziger Innenstadt loszieht. Schon kurz nach diesen Aufnahmen müssen die jungen Bürgerrechtler feststellen: die Masse folgt uns nicht.

Die Anderen - rund Tausend an der Zahl - stehen derweil vor den Kameras westdeutscher TV-Stationen. Sie rufen: "Wir wollen raus!, Wir wollen raus!". Immer und immer wieder. Ausreiseantragsteller, die ein privates Anliegen haben. Und die die Öffentlichkeit dafür nutzen. Es ist - an diesem Tag - die faktische Spaltung einer neu entstandenen Bewegung. Einer Bewegung, die in der DDR 1989 den Aufstand probt. Und die bis dahin - zumindest in Leipzig - in einer Art symbiotischen Beziehung zueinander die SED-Diktatur herausgefordert hat.
wir wollen raus 04091989"Wir wollen raus!, Wir wollen raus!" - Ausreiseantragsteller am 4. September 1989 vor der Leipziger Nikolaikirche - Photo: Helmut Neumann

Natürlich kann ich viel erzählen. Von den ersten kleineren Aktionen im Anschluß an die Friedensgebete, Montags in Leipzigs Innenstadt. Von Flugblätter verteilen, in Warenhäusern und in der Volkshochschule. Von ersten - unabhängigen - Demonstrationen. Als wir sprichwörtlich die Straße eroberten. Als aus hundert Kirchengängern mehr als achtmal so viele Entschlossene wurden. Die Festnahmen, Verhöre, endlos wirkende Tage im Stasi-Knast. Zeitgeschichte ist dies mittlerweile, gerade wird sie intensiv diskutiert.

Endlich. Viel zu lange haben sich die beteiligten Akteure klein gemacht, die Deutungshoheit irgendwelchen westdeutschen Historikern überlassen. Jetzt - 30 Jahre später - sagen sie, dass ist unsere Revolution. Wir waren die Mutigen, dieses Erlebnis lassen wir uns von euch nicht nehmen. Revolutionen, gab (und gibt) es in diesem Land viel zu selten. Erfolgreiche schon gar nicht. Der 'deutsche Michel' zeichnete sich seit jeher eher durch Untertanengeist, Feigheit und Denunziantentum aus. Damals wie heute.

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Medien: Wie sich das ARD-Politikmagazin 'MONITOR' die Wirklichkeit zurechtbiegt

von Fred Kowasch

'Sudel-Ede' lässt grüßen. Wer sehen will, wie das Politikmagazin 'Monitor' die Wirklichkeit einseitig und verzerrend darstellt, dem sei der folgende Film aus dem Abendprogramm der ARD empfohlen. In ihm wird von den Autoren die These vertreten, die Vorfälle im Düsseldorfer Rheinbad seien von den meisten Medien falsch dargestellt worden. In Wahrheit wäre alles ganz anders gewesen. Harmloser, quasi ein dummer Jungenstreich nur. Zum Beleg dieser These werden die Vorfälle vom 26. Juli 2019 analysiert.



Mag sein, dass die Vorfälle an diesem Tag nicht so heftig gewesen sind. Das Bad möglicherweise voreilig geschlossen wurde. Was aber ist mit den Ereignissen am 29. und 30. Juni 2019? Von diesen Tagen gibt es durchaus heftige Video-Aufnahmen. Die deutlich zeigen, wer im Bad die Kontrolle hatte. Diese Vorfälle kommen im 'Monitor'-Filmbeitrag jedoch nur am Rande vor. Sie werden lediglich in einer kurzen Sequenz erwähnt.

Geht so sauberer, glaubwürdiger Journalismus? Bildet man die Wirklichkeit ab, wenn Fakten einseitig und verzerrt dargestellt werden?

Ich selbst habe von 1997 bis 1999 für 'MONITOR' gearbeitet. Unter der Leitung von Klaus Bednarz haben wir - zum Beispiel - vielbeachtete Beiträge über 'Doping im Radsport' realisiert. In dieser Zeit habe ich auch Praktiken erlebt, die mich - als jungen Journalisten - sehr nachdenklich gemacht haben. Nicht selten stand intern - vor der Recherche - die inhaltliche Ausrichtung des Filmes redaktionell schon fest.

Weil mich die Einseitigkeit in manchen Filmen störte - an die Propagandainstrumente eines Karl-Eduard von Schnitzler aus dem DDR-Fernsehen erinnerte - habe ich dies damals angesprochen. Die Reaktion: Schweigen. "Nächstes Thema". 'MONITOR' habe ich damals verlassen.

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Im Wortlaut: Anklageerhebung im Zusammenhang mit dem DFB

dfb zentrale"Bern, 06.08.2019 - Die Bundesanwaltschaft (BA) hat Anklage gegen die drei ehemaligen Funktionäre des gemeinnützigen Deutschen Fussball-Bunds (DFB) Horst Rudolf Schmidt, Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach sowie gegen den ehemaligen Schweizer FIFA-Funktionär Urs Linsi erhoben. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, im April 2005 die Mitglieder eines Aufsichtsorgans des DFB-Organisationskomitees für die Fussball-WM 2006 in Deutschland (OK WM 2006) arglistig über den eigentlichen Zweck einer Zahlung in der Höhe von rund EUR 6.7 Mio getäuscht zu haben.

Das Verfahren gegen den in diesem Zusammenhang ebenfalls beschuldigten Franz Beckenbauer wurde im Juli 2019 abgetrennt und wird durch die BA separat weitergeführt. Eine gemeinsame Beurteilung würde das Verfahren gegen die weiteren Beschuldigten unnötig verzögern, weil der Gesundheitszustand von Franz Beckenbauer nach derzeitiger Prognose eine Teilnahme oder Einvernahme an der Hauptverhandlung vor Bundesstrafgericht (BStGer) nicht zulässt. 

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TV-Tipp: Staatsgewalt - Wenn Polizisten zu Tätern werden (ARD-Exclusiv, RBB)

Wer annimmt, dass er in einem Rechtsstaat lebt, sollte sich den folgenden Film aus der ARD-Reihe 'Exclusiv' ansehen. Danach ist er - zumindest - etwas nachdenklicher. Wie schwer, beinahe unmöglich es ist, im Fall von Polizeigewalt Recht und Gerechtigkeit zu finden. Vergessen wir mal all die Übergriffe am Rande der G-20-Proteste vor gut zwei Jahren in Hamburg. Wo Polizeikommandos brutal in eine Demonstration reingingen, die bis dato absolut friedlich war. Bis heute gibt es hier keine einzige Anklage gegen einen Polizeibeamten. Ein wichtiges Thema, ein wichtiger Film!

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#insidehogesa2: 'Steeler Jungs' - Spontanbeifall aus dem Eiscafé (01.08.2019)

von Fred Kowasch, Essen-Steele

Knapp 400. Alt-Hools aus Essen, Duisburg. M'Gladbach, Dortmund. Und andere 'Kaliber' .... Interessant: der Aufzug wurde im Eiscafé von zahlreichen Besuchern dort beklatscht. Hatte ich so auch noch nicht gesehen. Und gehört ....

Wie mobilisierungsfährig die HogeSa-Szene nach wie vor ist, zeigt sich an diesem Donnerstagabend mitten Im Ruhrpott. Kaum offizielle Werbung für diesen 'Spaziergang' durch die Innenstadt von Essen-Steele. Seit zwei Jahren gibt es sie, die 'Steeler Jungs'. An diesem 1. August 2019 waren es so viel wie noch nie. Dazu beigetragen hatte vor allem der Tod des kleinen Jungen im Bahnhof von Frankfurt/Main, drei Tage zuvor.


Anmerkung: Wir haben uns entschlossen, die Dreharbeiten fortzusetzen.
Ob jedoch ein abendfüllender Dokumentarfilm entstehen wird, wissen wir zum jetztigen Zeitpunkt noch nicht.

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Medien: Wenn investigativer Journalismus diskreditiert wird ....

Es gibt sie noch. Die Perlen journalistischen Schaffens. Die Lichtblicke im investigativen Journalismus. Aktuell zu findem im Nachrichtenmagazin Der SPIEGEL. Unter der Headline 'Wie zwei Vereine die deutsche Nahostpolitik beeinflussen wollen' beschreiben sechs Autoren, wie wirklich im Deutschen Bundestag Politik gemacht wird. Im Kern geht es um die öffentliche Verurteilung der internationalen Kampagne 'Boycott, Divestment and Sanctions' (BDS). Von ihren Kritikern werden BDS-Symphatisanten in die Nähe des Antisemitismus gerückt. Publizistisch hier ganz vorn mit dabei: der Springer-Konzern und seine Publikationen 'BILD' und 'Welt'. Wer wissen will, wie es wirklich in den - widerrechtlich - von Israel besetzten palästinensischen Gebieten aussieht, welche Rolle das Militär dort spielt und dass auch zahlreiche israelische Aktivisten den Protest gegen die Besatzung mittragen, dem sei unserer Dokumentarfilm 'Walls- a photographer between the Lines' aus dem Jahr 2013 empfohlen.

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Medien: Journalismus oder 'Sea-Watch'-Propaganda?

Wenn Filme für Diskussionen sorgen, dann ist dies erst mal nichts Schlechtes. Aktuell für Aufregung sorgt ein 20-Minuten-Werk, dass das ARD-Politikmagazin 'Panorama' am letzten Donnerstag Abend ausgestrahlt hat. Dabei geht es um die Rettungsaktion der 'Seawatch3' vor der lybischen Küste, ihr kreuzen im Mittelmeer, die erzwungende Einfahrt nach Lampedusa. Die Kamera immer nah dran. Zu nah dran? Was auffällt: in der gesamten Reportage wird der Besatzungscrew keine einzige kritische Frage gestellt. Ist das noch Journalismus? Oder schon PR?

Immerhin: es wird diskutiert! Sind die 'Seenotretter' in der Realität Migrantenschlepper? Gab es wirklich kein anderes sicheres Ufer? Wie soll die Gesellschaft mit Flucht und Migration umgehen? Bildet euch ein eigenes Bild. Den Film gibt es hier:

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Vor 30 Jahren: Was ist los in Leipzig?

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septemberdemo 1989 leipzigProteste für Versammlungs- und Meinungsfreiheit am 4. September 1989 vor der Nikolaikirche in Leipzig
Foto: Helmut Neumann / Fred Kowasch - All Rights Reserved

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"Ich bin sicher, dass in Zukunft nicht nur ein paar Hundert, sondern ein paar Tausend Menschen an Demonstrationen teilnehmen werden."


Eine gewagte Prognose aus dem Sommer 1989. Abgegeben am Ende des fünfseitigen Textes. In Kenntnis der Situation in der DDR, in Kenntnis geplanter Aktionen Leipziger Oppositionsgruppen. Dass dies schon Ende September in Leipzig Wirklichkeit werden sollte, hatte auch ich nicht ernsthaft erwartet.


Den oben abgebildeten Text habe ich auf Anregung des Journalisten Roland Jahn (ARD-Kontraste, ZDF-'Kennzeichen D') im Juli 1989 geschrieben. Er war zur Veröffentlichung in der tageszeitung (taz) und der Frankfurter Rundschau gedacht.

Abgedruckt hat ihn dann keine der beiden Zeitungen. Das Interesse an Themen aus Leipzig war - damals - zu gering. (Fred Kowasch)

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Hintergrund: Die Verwirkung von Grundrechten (Artikel 18 Grundgesetz)

von Fred Kowasch

Aktuell wird - im Zusammenhang mit der Debatte über den mutmaßlich von einem Rechtsextremen getöteten Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke - über die Verwirkung von Grundrechten nach Artikel 18 Grundgesetz diskutiert. Allerdings: dieser Artikel wurde in der 70jährigen Geschichte der BRD noch nie angewandt. Zwar gab es in der Vergangenheit vier Anträge gegenüber Rechtsextremen, Ihnen Teile ihrer Grundrechte aufgrund ihrer Verwirkung abzuerkennen. In allen Fällen hat das Bundesverfassungsgericht, als letzte rechtliche Instanz, dies verworfen. Wir dokumentieren im Folgenden Teile einer Seminararbeit, die der Betreiber dieser Webseite im Sommersemester 1995 am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin im Bereich 'Politikwissenschaft' bei Prof. Dr. Hartmut Jäckel zu diesem Thema geschrieben hat.
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Sturm in den Tagebau: Proteste im Rheinischen Braunkohlebecken

Ende Juni. 40.000 bei 'Fridays for Future' in Aachen sowie die Blockade der Nord-Süd-Bahn beim Kraftwerk in Neurath. Einen Tag später: mehrere Hundert Demonstraten durchbrechen Polizeiketten und stürmen in Richtung Tagebau. interpool.tv hat eine dieser Gruppe - den sogenannten roten Finger - begleitet. Nachdem stundenlang nix geschah, gemächlich auf einer Straße getrottet wurde, ging es plötzlich ab ....  

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Klare Kante: Das letzte Aufgebot

Ein Kommentar von Fred Kowasch

4. Juni 2019
Die nebenstehende Grafik ist eine Replik eines unbekannten Bloggers auf einer SPD-Kampagne zur Europawahl 2009. spd vollpfostenZehn Jahre sind es gerade einmal her, da stand die SPD in Umfragen noch bei 25 Prozent. Heute sind es zehn Prozentpunkte weniger.

Und: (ein bischen Häme muss sein) - dass ist immer noch zu viel. Die frohe Kunde: bei den nächsten Landtagswahlen ist - zumindest in Sachsen - auch mal etwas Einstelliges zu erwarten. Denn genau dorthin führt der Weg. Die einst so rumreichen deutschen Sozialdemokraten braucht nun wirklich keiner mehr.

Nach dem überstürzten Abgang von Andrea Nahles (hört auf rumzujammern, sie war die größte Intrigantin ever) soll es nun ein Trio richten. Ein Hesse, der drei Landtagswahlen (2009, 2013 und 2018) verloren hat. Eine Ministerpräsidentin, die der Zufall ins Amt nach Mecklenburg-Vorpommern spülte. Eine Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrates, die gut lächeln kann. Es ist das buchstäblich letzte Aufgebot der SPD.

Ein Partei in Panik. Ohne einen programmatischen Entwurf auf den sie glaubwürdig setzen kann. Zu hoffen ist, dass die SPD noch die CDU mit sich reisst. Mit ihrem Beharren an ihrem Projekt der Grundrente, die vor allem auf Kosten der jüngeren Generation geht. Irgendwann muß mit diesen Wahlgeschenken für die Ü-60jährigen mal Schluss sein.

Zerlegt euch. In aller Ruhe. Am besten gemeinsam. Wir werden dies mit Freude beobachten. Und analysieren. Macht endlich Schluß mit eurer tollen 'grossen' Koalition. Überlasst den Job denen, die Bock drauf haben. Und eine Gesellschaft gestalten wollen, die Zukunft hat.

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Im Wortlaut: Die Rücktrittserklärung der Andrea Nahles (SPD)

"Liebe Genossinnen und Genossen,

ich habe den Vorsitz von Partei und Fraktion in schwierigen Zeiten übernommen. Wir haben uns gemeinsam entschieden als Teil der Bundesregierung Verantwortung für unser Land zu tragen. Gleichzeitig arbeiten wir daran, die Partei wieder aufzurichten und die Bürgerinnen und Bürger mit neuen Inhalten zu überzeugen.Beides zu schaffen ist eine große Herausforderung für uns alle. Um sie zu meistern ist volle gegenseitige Unterstützung gefragt.

Ob ich die nötige Unterstützung habe, wurde in den letzten Wochen wiederholt öffentlich in Zweifel gezogen. Deshalb wollte ich Klarheit. Diese Klarheit habe ich in dieser Woche bekommen. Die Diskussion in der Fraktion und die vielen Rückmeldungen aus der Partei haben mir gezeigt, dass der zur Ausübung meiner Ämter notwendige Rückhalt nicht mehr da ist.

Am kommenden Montag werde ich daher im Parteivorstand meinen Rücktritt als Vorsitzende der SPD und am kommenden Dienstag in der Fraktion meinen Rücktritt als Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion erklären. Damit möchte ich die Möglichkeit eröffnen, dass in beiden Funktionen in geordneter Weise die Nachfolge geregelt werden kann. Bleibt beieinander und handelt besonnen!

Ich hoffe sehr, dass es Euch gelingt, Vertrauen und gegenseitigen Respekt wieder zu stärken und so Personen zu finden, die ihr aus ganzer Kraft unterstützen könnt. Unser Land braucht eine starke SPD!

Meinen Nachfolgerinnen oder Nachfolgern wünsche ich viel Glück und Erfolg."

Quelle: https://www.spd.de/aktuelles/detail/news/mein-ruecktritt-als-partei-und-fraktionsvorsitzende/02/06/2019/

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Klare Kante: Sieg der Populisten

Ein Kommentar von Fred Kowasch

27.05.2019
Es war eine Niederlage mit Ansage. Millionenfach geklickt, dieser längst fällige Kampfansage an die etablierten deutschen Volksparteien. Rezo, sei Dank! Diesem 26jährigen Studenten mit seinem reichweitenstarken YouTube-Kanal. Dank, dass er dass er mit seinem Video 'Die Zerstörung der CDU' nun auch das Meinungsmonopol der Mainstreammedien gebrochen hat. Und: dass die 'Stimme der Jugend' nun endlich wahrgenommen wird.muelltonne

Jeder, der sehen wollte, konnte sehen: da braut sich etwas zusammen. Da kommt die Wucht der Straße, die uns hinwegfegen wird.

Angefangen im Herbst 2018 mit den Protesten im Hambacher Forst, der folgenden 'Fridays for Future'-Bewegung. Spätestens mit der Kampagne gegen den 'Artikel 13 der EU-Urheberrechtsnovelle im Frühjahr hätte auch noch dem verschnarchesten Wahlkampfleiter klar sein müssen: in diesem Trott geht es für uns so nicht weiter.

Dass nun die Grünen kräftig abgesahnt haben, mag Zufall sein. Formal unterscheidet sich ihr Populismus nicht von denen anderer Parteien, die dem Zeitgeist nach dem Mund reden. War es 2017 das Thema 'Zuwanderung', die die AfD satt in den Bundestag brachte, ist es nun der 'Klimawandel', der für Mobilisierung sorgte.

Dabei verkörpert die Partei längst das Etablisment. Von einer Friedens,- Bürgerrechts,- und Umweltpartei ist de facto kaum noch etwas übrig geblieben. Beispiele aus der Regierungspraxis?! Die Zustimmung zum Kosevokrieg ohne UN-Mandat (1999). Das Abnicken der Zerstörung des Hambacher Forstes als Teil der NRW-Landesregierung (2016). Schweigen, wenn wie beim G-20-Gipfel 2017 in Hamburg Demonstranten von Polizisten grundlos zusammengeschlagen werden. Offene Brüche inklussive ....

Die Praxis zeigt: kaum ist 'Bündnis 90/Die Grünen' an der Macht, gibt es für deren Parteivertreter keine wirkliche Moral mehr. 

Die Europawahl zeigt aber auch: ENDLICH wird die Republik 'gerockt'. Endlich fliegen die Fetzen! Und: es wird weitergehen. Denn die Regierungsparteien haben den 'Schuss' immer noch nicht gehört. Weil sie in ihrer eigenen Scheinwelt leben. So wie viele Journalisten. Doch: dass ist ein anderes Thema. Zur Wiedervorlage im Herbst. Wenn im Osten der Republik zu den Landtagswahlen das nächste politische Erdbeben zu erwarten ist. Denn - auch dies ist ein Ergebnis der Europawahl - in Sachsen, Brandenburg und Thüringen ist die AfD längst zur Volkspartei geworden.

Zur Info: Europaweit erhielten grüne Parteien nur knapp zehn Prozent aller abgegebenen Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag - im Durchschnitt - bei 51 Prozent. In Frankreich, Italien und Ungarn bekamen rechte Parteien die meisten Wählerstimmen.

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'SPIEGEL'-Abschlussbericht: Seltene Einblicke in die reale Medienwelt

wir suchen spiegel abschlussbericht25.05.2019
Wen es interessiert, wie es wirklich abgeht in einem der großen Medienhäuser der Republik, dem sei der Abschlußbericht zur 'Relotius-Affäre' beim SPIEGEL (pdf) empfohlen. Eine durchaus schonungslose Abrechnung mit einer Kaste, die sich für etwas Besonderes hält. Ein seltener Einblick in die redaktionellen Abläufe des Journalismus, so wie sie auch in anderen Medien Alltag sind.

Wie der Fall Relotius nun im Einzelnen ablief, mag jeder selbst gern lesen. Auch welche Bedeutung, Journalistenpreise intern haben.

Intressant ist vor allem Folgendes: wie ein Medium - ein 'publizistisches Schlachtschiff' - mit Whistleblowern in den eigenen Reihen umgeht. Dies ist - dass zeigt der Bericht deutlich - nichts anderes als eine Bankrotterklärung. Gerade die, die das Wirken von Whistleblower nach außen hin medial hochhalten, gehen intern mit Ihnen schändlichst um. Auch dies ist kein Einzelfall. 

Ebenso wie der Umstand, dass der Kern einer Geschichte nicht selten schon vor der Recherche fest steht. Redakteure geben Themen in Auftrag - frei nach dem Motto: bebildere mir eine Geschichte, so wie ich sie gern hätte. Und: wie ich selbst die Welt sehe. Wie detailliert die Vorgaben da sein können, zeigt ein Ausriss aus dem SPIEGEL-Abschlussbericht. Hier geht es um eine Story über die Zustände an der Grenze zwischen den USA und Mexiko.

Quelle: https://www.spiegel.de/media/media-44510.pdf

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Im Wortlaut: "Offene Antwort an Rezo: Wie wir die Sache sehen"

"Viele Menschen haben in den vergangenen Tagen über Dein Youtube-Video gesprochen. Es spitzt Kritikpunkte zu und verkürzt um zu provozieren. Das ist nichts Neues in der politischen Auseinandersetzung - zumal im Wahlkampf.

In unserem freien Land darf jeder seine Meinung äußern, Gott sei Dank. Und was dort geäußert wird, war und ist Gegenstand politischer Diskussionen, das ist das Herzstück unserer Demokratie. Wir - das sind Hunderttausende Mitglieder, Unterstützer und Millionen von Wählerinnen und Wählern der CDU - nehmen Kritik sehr ernst, tagtäglich in persönlichen Gesprächen, Veranstaltungen on- und offline. Und wir alle, die allermeisten ehrenamtlich, arbeiten jeden Tag daran, es besser zu machen.

Wir als CDU sind stolz darauf, was wir, die Partei von Adenauer, Kohl und Merkel und die Bürgerinnen und Bürger in den letzten Jahrzehnten für unser Land und die Menschen in Deutschland erreicht haben.

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Webvideo: Youtuber Rezo - "Die Zerstörung der CDU" (Mehr als 10 Mio Aufrufe)

"If voting changed anything they would make it illegal". An diesem Satz der Anarchistin Emma Goldman ist was dran. Deshalb lassen wir Sonntag auch die EU-'Wahlen' Wahlen sein, nehmen dass Rennrad und fahren durch die Natur. Wer es trotzdem nicht lassen kann, dem sei das Video des Youtubers Rezo empfohlen. Der zappelt in seinem 56-Minuten-Video zwar unentwegt, auch die schnellen Schnitte sind wohl nicht jedermanns Sache. Satz für Satz nimmt er die deutschen Regierungsparteien CDU/CSU und die SPD auseinander. Zeigt was für Lügner sie wirklich sind, wie wenig Ahnung sie von der Materie haben, welch eine verbrecherische Politik sie unterstützen. Das Video ist gerade in Teenagerkreisen der absolute Renner. Auch wenn Älteren vieles aus der politischen Praxis bekannt sein dürfte - hier klagt die Stimme der Jugend an. Danach möchte man eigentlich vor Scham in den Boden versinken oder zur Revolte aufrufen. Wir machen Letzteres. Wie sagte schon der russische Anarchist Michail Bakunin: "Die Lust der Zerstörung ist zugleich eine schaffende Lust!"

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Im Kino: Neue politische Dokumentarfilme

25.05.2019
Uff. Von den 18 (!!) Kino-Neustarts in dieser Woche sind mehr als die Hälfte Dokumentarfilme. Dass gab es wohl noch nie. Doch: wer soll diese Filme alle sehen? Zumal dass Kino im letzten Jahr einen massiven Zuschauerrückgang erlebte. Und fast alle Kinobetreiber sich bis heute weigern, die Filme auch online anzubieten. Schade eigentlich.


Was auffällt - der deutsche Dokumentarfilm ist politischer geworden. Bildet die Diskussionen und Ereignisse, sprich die Spaltung der Gesellschaft, ab. In 'Die Mission der Lifeline'  geht es um einen Dresdener Verein, der Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer aufnimmt. Und nach Europa schafft. Eine Mission, die umstritten ist. Auf den Film darf man gespannt sein.



Ebenso auf 'Lord of the toys', der schon bei seiner Präsentation auf dem letzten Leipziger Dokumentarfilmfestival für kontroverse Diskussionen sorgte. Hier geht es um den Alltag eines ostdeutschen Youtubers, der mit seine Clique ziemlich schräg in den Tag hineinlebt. Leider läuft dieser Film zunächst in kaum einem Kino im Westen.



Schließlich: "Die rote Linie". Ein Film über den Widerstand der letzten Jahre aus dem - inzwischen - weltbekannten Hambacher Forst. Ein Thema, dass im Herbst 2018 medial beachtlich an Fahrt gewann. Mittlerweile ist es hier etwas ruhiger geworden. Was wohl auch daran liegt, dass es hier bis zum Oktober 2020 einen Rodungsstopp gibt. Die Bagger von RWE baggern derweil unermüdlich weiter, stehen nur noch gut einhundert Meter vor dem Wald. Und: viele der Besetzer in ihren neuen Baumhäusern sind sich inzwischen untereinander nicht mehr 'grün'. Ob der Film dies auch thematisiert?

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