Unterwegs gestrandet - LH 355 im Dauereinsatz

08.04.2020 (update)
LH 355 von Christchurch in Neuseeland über Bangkok in Thailand mit Ziel Frankfurt/Main in Deutschland. Zwei zwölf Stunden Flüge hintereinander. Beim Zwischenstopp in der thailändischen Hauptstadt heisst es im Flugzeug bleiben, Beine vertreten. Eine Reise, die auch schon mal 36 Stunden dauern kann und am übernächsten Tag kurz vor Sonnenaufgang irgendwo in Deutschland endet.

Bereits um 5 Uhr Morgens (Ortszeit) warten sie - die ersten Passagiere vor dem da noch geschlossenen Gebäude des Flughafens in Christchurch. Dann heißt es am Schalter anstehen und wieder warten. Kurz vor zehn geht es dann mit einer Boing in Richtung Westen los. In Bangkok wechselt die Flugzeugcrew, die sich in den nächsten Tagen im Dauereinsatz befindet. In Frankfurt am Main dann: Wiedersehen mit den Angehörigen. Eltern zumeist. Manche haben ein extra Auto für die weitgereisten Schützlinge mitgebracht. Denn kurz vor zwei Uhr am Morgen geht dort kein Zug mehr. Weiterreise irgendwie, für manche irgendwann. Anschließend noch eine 14tägige Quarantäne. Insgesamt sassen mehr als 10.000 Deutsche am 'anderen Ende der Welt fest. So viel wie in sonst keinem anderen Land außerhalb von Europa.

Mehrere Tausend verharrten auch noch in Peru. Dort war vor allem die Situation in der Inka-Stadt Cusco dramatisch. So berichteten Rucksackreisende von teils beängstigenden Szenen aus einem Hostel der Stadt. Sie konnten ihre Unterkunft nicht verlassen, draußen drohten die Behörden mit Waffengewalt. Eingeschlossen in zwölf Bett-Zimmern, nächtelang. Mittlerweile sind gut 2000 Touristen wieder in Deutschland, die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes (AA) dauert noch an. In vielen Ländern ist sie jedoch bereits abgeschlossen. So von Sri Lanka, Kambodscha und Indonesien aus. 
vor dem abflugReisen im Zeitalter der Coronakrise ist so gut wie unmöglich geworden. Nur noch wenige Airlines bieten überhaupt noch reguläre Fluge an. Gut 200.000 Deutsche wurde bisher in einer Art Rückholaktion im Auftrag des Auswärtigen Amtes (AA) zum Teil mit Charterfliegern zurückgeholt. Außerdem hat das AA eine weltweite Reisewarnung bis Ende April ausgesprochen. Viele der deutschen Botschaften im Ausland haben inzwischen geschlossen.

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Blog: Die Corona-Krise - Stumm geworden, Verkrochen

von Fred Kowasch

06.06.2020
In der Krise zeigt der Mensch sein wahres Gesicht. Der Staat aber auch. Egal was man selbst politisch von diesen Aktionen hält: wer die Bilder vom Umgang mit - vereinzelten - Demonstranten am Wochenende in Berlin und Frankfurt/Main gesehen hat, ahnt wie deutsche Beamte wirklich ticken, wenn die Nerven blank liegen. Und was die Grundrechte, wie Versammlungs- und Meinungsfreiheit im Ernstfall tatsächlich wert sind.  



Alles schon mal selbst erlebt. 31 Jahre ist dies her. Die vorläufige Festnahme nach der Demonstration für Meinungsfreiheit, die Hausdurchsuchung und die Haft danach. Irgendwie wiederholt sich Geschichte scheinbar doch. Wie anders wirkt es, wenn ein Jugendlicher festgenommen und seine Wohnung durchsucht wird, nur weil er im Netz zu einer Demonstration gegen die Ausgangsbeschränkungen aufgerufen hat? Geht es nicht auch weniger rabiat? Wo ist dass Augenmass der Behörden in dieser Corona-Krise, wenn es um die Grundrechte geht? Was ist denn mittlerweile in diesem Staat hier los?!

Der Bundeswehreinsatz im Inneren - kaum noch öffentlich in Frage gestellt. Übernahme hoheitlicher Aufgaben von privaten Sicherheitsdiensten - en passent erledigt. Die Drohenüberwachung aus der Luft - mit einer anonymen Stimme die alles überschallt. Es müssen gerade richtige Festtage sein, für die Sicherheitsfanatiker. Und ja, die Sorge bleibt: dass dies alles später nicht unbedingt wieder 'kassiert' wird. Rückgängig gemacht, wenn der Ausnahmezustand irgendwann einmal vorbei ist. Fragt sich nur: wo ist der öffentliche Aufschrei? Wo sind die Mahner, die das Grundgesetz sonst in jede Kamera halten? Wo die Vertreter der Massenmedien, die doch immer gern von 'Haltung' reden? Stumm geworden, Verkrochen.

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#InsideHogeSa2: Durchsuchungen des Staatsschutzes im Raum Düsseldorf

02.04.2020
Wie aus einer gemeinsamen Pressemeldung der Staatsanwaltschaft Düsseldorf und der Polizei Düsseldorf hervorgeht, hat es am Mittwoch (01.04.2020) Hausdurchsuchungen bei drei Männern in Düsseldorf, Neuss und Herne gegeben. Die Durchsuchungen wurden vom Düsseldorfer Staatsschutz durchgeführt. Laut Informationen des WDR - der nach eigenen Angaben am Rande einer Durchsuchung vor Ort war - soll es sich dabei um Mitglieder der 'Bruderschaft Düsseldorf' handeln. Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu hören war, ist die Bruderschaft bundesweist organisiert. Sie ist Teil des HogeSa-Netzwerkes, was im letzten halben Jahr eine gewisse Renaissance erfuhr. Die 'Bruderschaft Düsseldorf' sieht sich selbt als eine Art von 'Bürgerwehr'. Verbindungen gibt es zu ähnlichen Gruppen in Essen, Köln und Herne sowie zum Verein 'Mönchengladbach steht auf'.
ddorf 17112018Bekanntlich arbeitet interpool.tv an Teil 2 der Dokumentation 'Inside HogeSa'. Einen Teil davon wird auch die Berichterstattung zum 17. November 2018 einnehmen. Als sich am Düsseldorfer Landtag Hooligans aus M'Gladbach, Köln, Duisburg und Düsseldorf mit anderen trafen, um gegen den EU-Flüchtlingspakt zu demonstrieren. Es am Rande zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten kam. Im Bild (aus dem Schnittraum): die vorläufige Festnahme eines Mitgliedes der 'Bruderschaft Düsseldorf'.

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Dokumentarfilm: 'Inside HogeSa' - Von der Straße ins Parlament (92 min, 2018)

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Köln, am letzten Oktobersonntag 2014. Tausende von muskelbepackten Männern, die unter dem Motto 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) durch die Kölner Innenstadt ziehen. Hooligans, Türsteher, Rocker, Rechtsradikale. Die Demonstration endet in Ausschreitungen am Hauptbahnhof. Tagelang bestimmen die Ereignisse von Köln, bestimmt das Bild vom umgekippten Polizeibus, die Schlagzeilen. Die Öffentlichkeit fragt sich seither: wie konnte dies passieren? Warum haben die Sicherheitsbehörden geschlafen?

In der Folgezeit dominieren - in Ost wie West - 'Pegida-Demonstrationen das Straßenbild. Im Herbst 2017 schließlich zieht die AfD in den Deutschen Bundestag ein. Politikwissenschaftler und LKA-Ermittler sind sich einig: 'HogeSa' hat für diese Entwicklung den direkten Anstoß gegeben.


In 'Inside HogeSa - Von der Straße ins Parlament' begleiten wir die Protagonisten der Szene vier Jahre lang. Zum ersten Mal reden rechte Hooligans, 'Nationale Sozialisten' und 'Pegida'-Vertreter offen vor der Kamera. Ein 92-Minuten-langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so vorher noch nicht gab. Der durchaus schockieren kann. 

Wem der Trailer gefällt, kann sich gern den kompletten Film ansehen. Er kostet 3,99 (Ausleihe 48 Stunden) und 8,99 Euro (all). Wer den Film kauft, bekommt die Interviews mit Tatjana Festerling und 'Captain Flubber' in voller Länge zu sehen.

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Der Terroristenjäger: Deckname Murat Cem (Spiegel.TV, 2020, 30 min)

Fast 20 Jahre UNDERCOVER. In NRW war Murat Cem als V-Mann der Polizei auf Mörder, Drogendealer und Salafisten angesetzt. Er stand auch mit Anis Amri in Kontakt. Amri war es, der am 19. Dezember 2016 einen LKW in den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz steuerte. Elf Menschen starben, 55 wurden zum Teil schwer verletzt. Cem hatte vor Amri gewarnt. Doch seine Warnungen kamen nicht an. Jetzt packt er aus. SPIEGEL.TV ist ein Coup gelungen. Ein richtiges gutes Stück Journalismus. 30 Minuten sehenswerte Zeitgeschichte.

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"Am Besten, Du machst ab Sonntag Dein Handy aus!" - Was Whistleblower erleben

von Fred Kowasch

Der Umgang mit Whistleblowern - er glich jahrelang einem Drahtseilakt. Im März hat die Europäische Union eine Richtlinie verabschiedet, die Hinweisgebern Rechtssicherheit vermitteln soll. Ehe dies jedoch in nationales Gesetz umgesetzt wird, können noch Jahre vergehen. Mitte Oktober nun befasste sich der Sportausschuss des Deutschen Bundestages mit dem Thema. Mehr Details auch unter sportspool.tv


"Am Besten Du machst ab Sonntag Dein Handy aus. Für ein paar Tage!"  Eine besseren Tipp konnte ich dem Whistleblower im Februar 2009 nicht geben. Denn ich war selbst überfordert. Wer bereitet einen in der Journalistenschule schon auf den Umgang mit Whistleblowern vor?! Wer weiss, ob die Story wirklich 'steil' geht? Ob sie nicht unkommentiert vor sich hin rottet ....

Diese Story allerdings ging steil. Sehr steil sogar. ARD-Sportschau, ZDF-Heute-Nachrichten, WDR-'Sport inside'. Und, und, und. Irgendwann bist Du als Filmemacher (und Produzent) dann schlicht auch überfordert. Wer kann sich dann noch um seinen Informanten kümmern?! Den, der so einen öffentlichen Aufschrei noch nie erlebt hat. Der, der in seinem Kämmerchen vor dem ausgeschalteten Handy sitzt, während im Mail-Acount eine Nachricht nach der anderen eingeht.

Solche Tage bedeuten Stress. Jeder will etwas von Dir. Da muß auf die Presseerklärung des Sportverbandes geantwortet werden. Der Redakteur drängelt. Vorwürfe gegen unseren Informanten stehen im Raum. Wie kontert man die am Besten, wenn nebenbei noch ein weiterer Film zu machen ist? Wie ist es mit einem Anwalt? Wer stellt ihn? Wer muss ihn bezahlen?

TV-Sender nehmen solche Enthüllungen ganz gerne mit. Investigative Geschichten führen zu Anerkennung unter den Kollegen, am Ende winkt vielleicht sogar ein Fernsehpreis. Nur: um einen Anwalt - der ihn rechtlich berät - muss sich der Whistleblower selbst kümmern. Ihn aus der eigenen Tasche bezahlen. Irgendwie geht dass nicht. Es Ist auch nicht zu akzeptieren, dass - nur weil der Whistleblower aufgrund massiven rechtlichen Druckes seine Aussage später ein wenig modifiziert - er (und seine Geschichte) plötzlich regelrecht in Ungnade fallen. Die Redaktion sich einer Folgestory verweigert. Obwohl der Fall bei Staatsanwaltschaft und dem Landeskriminalamt weite Kreise zieht. Sie dort den Wert der Insiderinformationen zu schätzen wissen. Andere Medien weiterhin über den Fall berichten.

Der richtige Umgang mit Whistleblowern. Er steht in keinem Lehrbuch. Denn jeder Fall ist anders. Jedes Motiv, sich zu offenbaren und an die Medien zu wenden, liegt eine andere persönliche Geschichte zu Grunde. Die zu erfahren, den persönlichen Hintergrund exakt zu verifizieren, ist schwierig. Braucht Einfühlungsvermögen, erfordert Zeit. Die Frage nach seinem Motiv 'auszupacken' - als Filmemacher habe ich sie an den Whistleblower wieder und wieder gestellt.

Ein Rest-Risiko bleibt immer. Für den, der die Geschichte macht. Viel mehr noch für den, der sie erzählt. Der manchmal gar nicht ahnt, was für einen medialen Aufschrei ein Einzelner auslösen kann. Und dass die öffentliche Tortur erst dann so richtig losgeht. (Text März 2019)

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Musikdoku: 'Heldenstadt Anders' - Der Festivalfilm (137 min, interpool.tv, 2020)

Drei Tage AUSVERKAUFT. Unzählige Biers, Umarmungen. Tränen der Freude, Pogo, gute Laune. Dazu Bands, die mehr als drei Jahrzehnte nicht mehr zusammen auf der Bühne gestanden haben. Punk, NDW, Noice, Heavy Metal .... Dass Leipziger 'Heldenstadt Anders Festival' im Leipziger UT Connewitz war ein voller Erfolg! Die - mehr als zweistündige - Doku zeigt Ausschnitte aller Auftritte. Sie blickt aber auch hinter die Kulissen dieses einmaligen Ereignisses aus dem September 2019. 

Line Up (Tag 1): HerT.Z., Kulturwille, Mad Affaire, Die Zucht
Line Up (Tag 2): The Huck, 0815, Dilletannten feat. Karl Heinz, Gelee Royal, Der Schwarze Kanal, Pfft...Projekt KNPL
Line Up (Tag 3): Schmerzgrenze, The Real Deal, Trübkraft Umsonst, Unklar, Zorn, Neu Rot, Confused Trail 

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