Unterwegs an der Green-Line II


zypern flughafen3von Fred Kowasch

Reise in eine ferne Zeit. Die Tür ist nicht abgeschlossen und quietscht, an der nahen Treppe baumeln lose ein paar Stahldrähte. Der zunächste leicht modern wirkende Geruch geht in permanenten Ammoniakgestank über. Frische Luft schmeckt anders, gesund kann das hier nicht sein. An den Wänden riesige Reklametafeln. Die meisten von ihnen, zerstört. Trotzdem ist noch deutlich erkennbar: am Häufigsten wird hier für Zigarrettenmarken geworben.

Der 'Durty Free' Bereich ist ausgeräumt, an der Passabfertigung steht keiner mehr. Davor Reihen blau bezogene Ledersitze, auf denen zentimeterhoch Taubendreck liegt. In den Ecken gurrt es unablässig. Von oben tropft Wasser auf Beton. Irgendwie kann die Decke hier nicht mehr ewig halten.

Zehn bis 15 Flüge starteten und landeten hier täglich. Von und nach Kairo, in die Türkei, nach Griechenland. Auch Großbritannien - die ehemalige Kolonialmacht - wurde von Nikosia aus angeflogen.

Nur sechseinhalb Jahre war dieser zyprische Flughafen in Betrieb, als er im Sommer 1974 stillgelegt wurde. Seitdem ist hier keiner mehr abgeflogen. Am Rand des Flugfeldes steht noch eine Maschine - ein Trident Sun Jet. Die Flugzeugnase und die vorderen Seitenflügel sind entfernt, um die Räder schlingert sich Stacheldraht.

Die anderen beiden Flugzeuge der kleinen Luftflotte wurden vor fast 40 Jahren zerstört. Als türkische Kampfflugzeuge das Areal angriffen. Seitdem ist der Flughafen von Nicosia Sperrgebiet und unter UN-Kontrolle. Dies sei die drittälteste Mission der Blauhelme erzählt uns ein Offizier, der uns zu diesem wirklich bizarren Teil der Sonneninsel gebracht hat.

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Fährt man die 'Green-Line' in Zyperns Hauptstatdt Nicosia entlang, dann fällt eines auf. Viele UN-Stützpunkte stehen zwar noch, sind jedoch nicht mehr besetzt. Etliche Blauhelme wurden in den letzten Jahren von hier abgezogen. Die Grenze ist durchlässiger geworden. Ein Übergang für Fußgänger inmitten der Altstadt, ein neuer Checkpoint im Westen Nicosias. Grenzverkehr rund um die Uhr. Auch das einst umkämpfte Ledra-Palace-Hotel - inmitten der Bufferzone - hat seinen Schrecken verloren. Direkt vom Parkplatz gegenüber gelangt man auf ein Fußballfeld. Der Betrachter ist schon ziemlich verwundert, wenn neben einem leeren UN-Beobachtungsturm eine türkische Mannschaft inmitten der Stadtmauern kickt. Die Grenze - hier ist sie fast unsichtbar.
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Weiter östlich dagegen stehen viele Stützpunkte der zyprischen Nationalgarde noch. Manchmal liegen ihnen die türkischen Stellungen direkt gegenüber. Nervös drehen Sie an ihren Ferngläsern herum. 40, 50 Meter sind keine Entfernung.

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