'Inside Black Bloc': Die Strassensperre von Berlin (Rigaer Strasse, 16.06.2021)

18.06.2021
Eine Strasse sperren. Eine autonome Zone ausrufen. Gegen die Staatsgewalt 'verteidigen'. Und sei es nur für ein paar Stunden. Lange hat es dies in Berlin nicht mehr gegeben. Konkret: mehr als drei Jahrzehnte nicht. Altgediente Straßenkämpfer erinnern sich noch gut - an den Montagnachmittag des 12. November 1990. Als Autonome die Mainzer Strasse in Berlin-Friedrichshain 'dicht' machten, sie (mit geschätzt 600 Menschen) gegen rund 1.600 Cops verteidigten. Eine Strassenschlacht, die sechs Stunden dauerte. Und an deren Ende sich die Staatsmacht zurückziehen musste. Am nächsten Tag dort auch nicht mehr zu sehen war. Bis sie am Morgen des 14. November mit 4.000 Beamten wiederkam. Lang ist es her.



Diesen 16. Juni 2021 muss die 'Szene' gut vorbereitet haben. Zumindest bestätigt sie es selbst in einer Erklärung. Insider ließ bereits eine Aktion am Montagnachmittag aufhorchen. Einen Brandanschlag am helligen Tage gibt es durch die linksradikale Szene eher selten. Auch dass Steine nun mit Gummihandschuhen geworfen werden - wie die laufenden Bilder des mit russischen Staatsgeldern finanzierten Senders RT zeigen. Dies erklärt sich wohl daher, dass den Ermittlungsbehörden offensichtlich kein verwertbares DNA-Material hinterlassen werden sollte. Der Einsatz von Feuerlöschern gegen Polizisten - wie vor der Begehung der Rigaer Strasse 94 durch einen Brandschutzgutachter einen Tag später - kennen Insider eher als Aktionsform der autonomen Szene aus Athen in Griechenland. Dort gehören sie zum 'Standard' bei militanten Demonstrationen.

Auch ein weiteres Ereignis in dieser Woche ließ aufhorchen: die Vorstellung des Bundesverfassungsschutzberichtes für 2020. Ganz generell heisst es da:

"In selbst geschaffenen „Freiräumen“ versuchen Autonome, alternative Lebensentwürfe zu verwirklichen. Damit gehen zwingend die Ablehnung und das Fernhalten staatlicher Ordnungsmacht einher. Durch die ständige Eroberung und Verteidigung von „Freiräumen“ sollen Teile des gesellschaftlichen Zusammenlebens der „kapitalistischen Verwertungslogik“ und staatlichen Einflüssen entzogen werden. Dafür besetzen Autonome leer stehende Häuser, gründen Wohngemeinschaften und genossenschaftliche Kleinbetriebe oder eröffnen autonome Zentren, Läden und Einrichtungen. Dem „kapitalistischen Gesellschaftssystem“ sollen Strukturen entgegengestellt werden, die die Einwirkungsmöglichkeiten seiner Institutionen punktuell außer Kraft setzen und so die Macht des Staates schrittweise bis zu seiner Auflösung reduzieren."
(Bundesministerium des Inneren, Verfassungsschutzbericht 2020, Seite 150 ff)

Wie auch immer. Fakt ist schon seit einiger Zeit, dass die Entwicklung in diesem Bereich immer mehr hin zu abgeschotteten und flexibel argierenden Kleingruppen geht. Die Behörden dies zwar - mit Verzögerung - registrieren, allerdings wenig (bis gar keinen) Zugang in die 'Szene' finden.

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