Merkel-PK: 'Eier haben'. Oder die Frage zum Rücktritt (Reblog)

Ende Juli 2016
Es gibt in der Bundespressekonferenz kaum noch welche, die ihren Job auch ausüben. Präzise, harte Fragen stellen. 'Eier haben'. Thilo Jung ist so einer (komisch, dass den keiner bei ARD und ZDF einstellen will), eine holländische Journalistin und Dieter Wonka - Der Mann mit den Fragen. Einst Hauptstadtkorrespondent der Leipziger Volkszeitung, bestens vernetzt und immer für eine Schlagzeile gut. Von ihm kam die Frage zum Rücktritt Merkels.

Merkel hat harte Fragen nicht gern. Das sieht man ihr - immer noch - an. Als stellvertretende DDR-Regierungssprecherin verlor sie schon mal die Nerven, blaffte in Pressekonferenzen Journalisten im SED-Style an. Auch heute beantwortet sie prekäre Fragen nicht. Ihr jüngster Auftritt vor der Bundespressekonferenz wirkte autistisch, wie aus einer anderen Welt. Als sei die planlose Aufnahme von Zuwanderern - elf Monate vorher - gesellschaftlicher Konsens gewesen: "Die Entscheidung, die wir alle gemeinsam getroffen haben ....".

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nr 16: "Wir waren Akteure und nicht mehr Beobachter"

So langsam bekommen selbst die borniertesten Chefredakteure, Herausgeber und Intendanten mit, dass ihnen die Leser und Zuschauer von der Stange gehen. Dass sich im Netz längst eine eigene Öffentlichkeit aufgebaut hat. Einer Öffentlichkeit, der die Berichterstattung auf 'Spiegel online', bei 'Süddeutsche', FAZ, ZEIT oder in der ARD im Prinzip egal ist. Weil sie dort eben durchaus auch nach dem Prinzip publizieren: "Es kann nicht sein, was nicht sein soll", wie ein Chefredakteur bei der Diskussion auf der Journalistenkonferenz 'Netzwerk recherche' 2016 ungewohnt freimütig einräumt. Eine Analyse zur 'refugees welcome' Berichterstattung und der seltsamen Rolle des WDR in der Kölner Silvesternacht.

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Hinter den Schlagzeilen: Über 'Gegenöffentlichkeit' und die Massenmedien

(Reblog)
Wollen sie nicht? Können Sie nicht? Oder dürfen sie nicht? Wie die Massenmedien den publizistischen Wettstreit verlieren.

von Fred Kowasch

Mitte Mai 2016
Die Aktion 'Ende Gelände' am Pfingswochenende in der Lausitz. Über Twitter kritisieren die Braunkohlegegner immer wieder die fehlende Berichterstattung von ARD und ZDF, monieren dass die Nachrichtenagentur dpa keinen Journalisten vor Ort geschickt hat. Erst nach Ende der dreitägigen Aktion wird in den Massenmedien ausführlicher über diesen Protest berichtet. Der - immerhin - fast zur Abschaltung eines Kohlekraftwerkes führte.  

Die Massenmedien: sie brauchen Tage bis sie ein Thema erkennen, seine Relevanz richtig einzuschätzen wissen. Dies war auch bei den sexuellen Übergriffen - überwiegend von Nordafrikanern - an Silvester in Köln nicht anders. Tagelang ignorierten ARD wie ZDF, FAZ und Süddeutsche die Vorfälle, die bei Facebook, Twitter und in Blogs längst ein viel diskutiertes Thema waren. 

Dies ist keineswegs ein neues Phänomen. Bereits Anfang der 90er Jahre - ich saß damals als Hospitant im Berliner dpa-Büro - bewerteten Verantwortliche die progromartigen Übergriffe in Rostock-Lichtenhagen falsch. Trotz heftigen insistieren wurde keine Verstärkung vor Ort geschickt. Als Tags darauf der Mob tobte, Molotovcocktails in das von Asylbewerbern bewohnte Haus flogen, waren nur wenige Journalisten vor Ort. Auch bei anderen Medien verging damals viel Zeit, ehe sie die Tragweite das Themas begriffen. Vorher konnte man fast nur in der sogenannten Gegenöffentlicheit - in linken Szeneblättern, der Taz oder in Alternativradios - Hintergründe zum Thema Rechtsradikalismus erfahren.

25 Jahre später wird wieder über Gegenöffentlichkeit geredet. Nur scheint der Begriff diesmal streng konservativ bis politisch rechts besetzt. Blogs wie pi-news.net (Political Incorrect), Zeitschriften wie die Junge Freiheit und das Monatsmagazin Compact verzeichnen steigende Leserzahlen. Ihre Berichterstattung - u.a. zur Flüchtlingsfrage und zur vermeintlichen Unterdrückung von Informationen - trifft auf ein hohes Interesse.

Aber auch die politische Gegenseite benutzt das Internet im Sinne der Gegenöffentlichkeit. So publiziert die linksautonome Szene Pamphlete, Demoberichte und Informationsleaks über ihre Webseite linksunten.indymedia.org. Erst jüngst sorgte ein Bericht über eine Polizeiinformantin in der Hamburger Antifa-Szene bundesweit für Schlagzeilen. Und: Bewegungen wie ende-gelaende.org erreichen ihre Anhänger via Blog, Twitter, Facebook, Youtube und Periscope. Letztendlich steuern sie damit ihre Aktionen.

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Hinter den Schlagzeilen: Im Würgegriff der Parteien (I)

Die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten sind fest im Würgegriff der Parteien. Doch nirgendwo ist dies so offensichtlich, wie beim Bayerischen Rundfunk. Dort hat man den Pressesprecher der Bundesregierung zum Intendanten des Senders gemacht. Es ist immer wieder schön zu sehen, wenn einer den Parteischranzen in die Suppe spuckt. In diesem Fall heisst der Hofnarr Thilo Jung. Ein Video dass zeigt, wie Meinungspluralismus eigentlich nur simuliert wird. In der nächsten Folge werden wir uns dem ZDF widmen.

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Hinter den Schlagzeilen - 'Aktivisten' mit Presseausweis

Auf Demonstrationen und Kundgebungen wird mittlerweile gefilmt und geknipst, was das Zeug hält. Irgendwie hat jeder eine Kamera oder ein Handy dabei. Vor Ort ist oft kaum noch zu unterscheiden ist: wer ist Demonstrant, wer Journalist. In Stuttgart - am Tag zuvor bei den AfD-Protesten - führte dies am Wochenende dazu, dass die Polizei drei vermeintliche Journalisten für Stunden in den Gewahrsam nahm, weil sie sie für Demonstranten hielt. Sie sollen Teil einer Protestgruppe gewesen sein.

Und aus Plauen wird berichtet, dass mindestens vier Fotografen mit Presseschild beim Aufmarsch rechter Gruppen mitliefen. Fakt ist: es gibt am Rande solcher Veranstaltungen zunehmend Leute mit Presseausweis, die Portraitaufnahmen machen. Ob nun von AfD-Mitgliedern, die auf ihren Parteitag wollen oder von linken wie rechten Demonstranten, die ihr Grundrecht wahrnehmen. Diese Portraitbilder werden dann ins Netz gestellt. Dienen anderen wiederum als Arbeitsgrundlage. Staatlichen Ermittlern, die solche Portraitaufnahmen nur eingeschränkt machen dürfen. Oder sogenannten 'Recherchengruppen' der Szene, die eigene Nachforschungen anstellen. Und der Polizei bei ihren Ermittlungen - auch öffentlich - schon mal den Rang ablaufen.

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Übergriff eines Videofilmers in Plauen (01.05.2016)

03.05.2016 (update)
Es gibt auf dem folgenden Video eine Szene (bei 0:56 min), die für Diskussionen gesorgt hat. Abseits der Demonstration von rechten Gruppen am 01. Mai 2016 in Plauen, schlägt ein mit einer Kamera filmender Mann einer neben ihr stehenden Frau das Stativ ins Gesicht. Die Frau taumelt. Dann kommt ein vermummter Demonstrant, der die Frau erneut schlägt. Die Frau bricht zusammen, bleibt am Boden liegen. Der vermummte Demonstrant wird von einem Polizisten in den Würgegriff genommen, wahrscheinlich festgenommen. Mittlerweile teilte die Polizei in Plauen mit, dass sie den mutmaßlichen Täter identifiziert hat. Über den Fortgang der Geschichte werden wir euch auf dem Laufenden halten.



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Allein auf weiter Flur - Zum Umgang mit Whistleblowern

05.02.2016
Whistleblower genießen - so gut wie - keinen Schutz. Ob Ed Snowden, der immer noch in Russland leben muß weil ihn die US-Regierung jagt oder Julian Assange, der seit drei Jahren in einem kleinen Raum in der ecuadorianischen Botschaft in London haust. Auch für all die anderen namenlosen Informanten - deren Mut Journalisten gern in Anspruch nehmen - gibt es kaum Sicherheit.  Was passiert, wenn ein Whistleblower offen auspackt? Wer übernimmt (und bezahlt) den Rechtsanwalt für ihn? Wer betreut ihn auch noch Jahre später? Wenn sich - zum Beispiel - der frühere Freundeskreis von ihm abgewendet hat? Fragen, die endlich ernsthaft diskutiert werden müssen.

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