Travel: Neuseeland Roadtrip 3 - Zum verbotenen Strand (20 min, 2020)

Übersetzen von der Nord- auf die Südinsel. Bei fünf Meter hohen Wellen. Kurz vor der Ankunft durch traumhaft schöne Landschaften gleiten. Allerdings: Mitte März hat das Corona-Virus auch Neuseeland erreicht. Die Erkrankungen steigen. Es droht der baldige Lockdown. Noch schnell ein paar Sights 'abreissen'. Am verbotenen Strand baden, den unglaublich blauen Fluss sehen. Dort - vielleicht - einen letzten Sprung wagen? Bevor NICHTS mehr möglich ist ....

+ JETZT AUCH BEI AMAZON VIDEO + 'Inside HogeSa' - Von der Strasse ins Parlament (92 min, 2018) +


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Köln, am letzten Oktobersonntag 2014. Tausende von muskelbepackten Männern, die unter dem Motto 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) durch die Kölner Innenstadt ziehen. Hooligans, Türsteher, Rocker, Rechtsradikale. Die Demonstration endet in Ausschreitungen am Hauptbahnhof. Tagelang bestimmen die Ereignisse von Köln, bestimmt das Bild vom umgekippten Polizeibus, die Schlagzeilen. Die Öffentlichkeit fragt sich seither: wie konnte dies passieren? Warum haben die Sicherheitsbehörden geschlafen?

In der Folgezeit dominieren - in Ost wie West - 'Pegida-Demonstrationen das Straßenbild. Im Herbst 2017 schließlich zieht die AfD in den Deutschen Bundestag ein. Politikwissenschaftler und LKA-Ermittler sind sich einig: 'HogeSa' hat für diese Entwicklung den direkten Anstoß gegeben.


In 'Inside HogeSa - Von der Straße ins Parlament' begleiten wir die Protagonisten der Szene vier Jahre lang. Zum ersten Mal reden rechte Hooligans,'Nationale Sozialisten' und 'Pegida'-Vertreter offen vor der Kamera. Ein 92-Minuten-langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so vorher noch nicht gab. Der durchaus schockieren kann.

Wen der Trailer neugierig gemacht hat, kann sich gern den kompletten Film ansehen. Er kostet 3,99 (Ausleihe 48 Stunden) und 9,99 Euro (all).
Wer den Film kauft, bekommt die Interviews mit Tatjana Festerling und 'Captain Flubber' in voller Länge zu sehen.

Klare Kante: Das Thema ist Polizeigewalt. Auch in Deutschland

von Fred Kowasch

Der Tod von George Floyd am 25. Mai 2020 lässt die USA erbeben. Aufstände, Plünderungen, brennende Polizeiautos, Ausgangssperre. In Dutzenden Städten. Ein Tod aus Rassismus? Sicherlich. Denn solche Fälle sind keine Ausnahme. Sie werfen allerdings auch ein Schlaglicht auf das Thema Polizeigewalt. Cops, die machen was sie wollen, weil es für sie praktisch keine Einschränkung gibt. Keine Justiz, die ihr Handeln kontrolliert. Sie in ihre Schranken weist.

Auch in der Bundesrepublik ist Polizeigewalt seit Jahren ein Thema. Es gibt eindrückliche Filme, die dieses Thema zum Inhalt haben. Es gibt Studien - wie die des Bochumer Polizeiwissenschaftlers Tobias Singlstein - die Polizeiübergriffe analysieren. Wer sich allerdings länger mit dem Thema beschäftigt, kommt nicht selten zu der Einsicht: es bringt nix. Weil Ihnen doch nichts passiert. Die Rede vom 'Rechtsstaat', indem unabhängig ermittelt und geurteilt wird, nicht mehr als ein frommer Wunschtraum ist.

Beispiele? Ende Oktober 2005 habe ich 'Unter den Linden' eine Protestaktion von Militärgegnern am Rande eines öffentlichen Gelöbnisses vor dem Berliner Reichstag gedreht. Als plötzlich ein zivil gekleideter Polizeibeamter seinen Schlagstock zückte und wie von Sinnen auf friedliche Demonstranten einschlug. Wieder und wieder. Ich hatte damals das 'Glück' und stand mit meiner DV-Kamera direkt daneben. Das Interesse an den Filmaufnahmen liessen unsere Webseite zusammenbrechen. Der Täter wurde - polizeiintern - versetzt. Mehr ist ihm - nach meinem Wissen -  nicht passiert.



Der 6. Juli 2007 am Hamburger Fischmarkt. Eine angemeldete - und von der Versammlungsbehörde genehmigte - Demonstration gegen den G-20-Gipfel. Darunter auch ein- bis eineinhalbtausend Autonome, die Mehrzahl von ihnen vermummt. Obwohl die Meisten von Ihnen - nach Aufforderung der Polizei - diese ablegten, gingen die Cops in den Demonstrationszug. Ich stand am Rand, konnte direkt in die weit aufgerissenen Pupillen zahlreicher Beamter der Festnahmeeinheiten sehen. Die Schreie der Verletzten hören. Noch nie in meinem Leben habe ich in so kurzer Zeit so viele offene Brüche, so viele Verletzte gesehen. Bis heute wurde keiner der bei G-20 eingesetzten Polizeibeamten angeklagt. Geschweige denn verurteilt.

Noch ein Beispiel? Der 1. Mai 2020 in Berlin-Kreuzberg. Trotz Corona: eine Spontandemonstration durch das alte SO 36. Eine Person wird festgenommen. Mehrere Polizisten hocken auf dem Menschen. Ein Kollege filmt es. Weil es dunkel ist mit Licht. Bei der nachfolgenden Polizeiaktion spürt er den Stoss von einem Schlagstock. Direkt in die Niere. Eine Anzeige gegen Polizeibamte macht offenkundig wenig Sinn, weil - in der Regel - eine Gegenanzeige folgt. Also verzichtet er. Zum Glück blieb er weitgehend unverletzt. Eine Kollegin hatte da weniger Fortune. Ihr wurden an diesem Abend bei ihrer Arbeit von einem Polizisten mehrere Zähne ausgeschlagen.

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Klare Kante: Wenn die CDU zerbricht (Eine Replik)

Hallo Fred,
mir stellt sich das von Dir beschriebene christdemokratische Dilemma wie folgt dar:

Eine Duldung von Ramelow würde viele in der Union entzürnen, die sich immer noch im Kalten Krieg wähnen und gegen die SED-Nachfolger wettern. Dieses Milieu hatte aber erstaunlicherweise nie Abgrenzungsprobleme zu Filbinger, Kiesinger, Globke oder ein Problem mit der Tatsache, dass die Union eine Nachfolgepartei des Zentrums ist. Politiker dieser Partei haben - wie uns Altmaier am Sonntag sagen wollte - dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt. Das gehört zum Versagen der Konservativen.

Vielen schiene die Duldung von Ramelow aber auch verzeihlich.

Eine Kooperation mit der AfD würde die Union völlig zerlegen - unabhängig davon, wie viele Wähler diese Partei hat. (Und auch wenn ich NS-Vergleiche meide - Hitler ist über den parlamentarischen Weg, über Zähmungskonzepte und eine Machtübertragung zum Kanzler gekürt worden.) Die CDU ist eben nicht nur die Partei der Globkes, sondern heute die Partei von Laschet, Günther, Grütters oder Polenz. Und die vertreten liberale christdemokratische Positionen und repräsentieren ein pro-westliches bzw. sozialkatholisches Milieus, die langfristig in scharfer Differenz zur AfD stehen. Deine Perspektive bezieht sich auf den Osten, wo es Kooperationen auf lokaler Ebene ja schon gibt. Im Westen spricht die Aussicht auf eine Kooperation nur eine Minderheit an.

angela merkelUnd alle, die jetzt die Staats- und Parteichefin schmähen, mögen doch bitte bedenken, was die - Vorsicht, Unwort! - Alternative gewesen wäre - ein Wortbruch der Partei und Kanzlerin als Konzession an den Hütchenspieler Mohring? Wo doch in der internationalen Presse jenseits der NZZ vor der Machtergreifung gewarnt wurde? Vergessen diese Leute, das die politische Ökonomie dieses Landes vom Export - und damit auch vom Image - abhängig ist?

Nein, dieser Vorstoß war, wer immer das ausgeknobelt hat, zu undurchdacht. Er hat aber die Spaltungslinien (Ost-West, rechtskonservativ vs. liberal) sichtbar gemacht. Das Theater macht mir Spaß.

Kretschmer ist by the way zu unbekannt und steht halt für Sachsen. In Städten wie Frankfurt a.M., Hamburg, Berlin oder Köln - die wahlarithmetisch wichtig sind - wäre er nicht vermittelbar. Und der Merz? Ein Atlantiker aus dem Hause BlackRock, der die Republik immer noch für ein großes Schützenfest hält? Wäre der nach dem Geschmack der Ost-Wähler der AfD? Und überhaupt Osten: Wenn ich, wie zuletzt, in Dresden debattiere, erkenne ich an der Uni (die nicht gerade klein ist) keinen Unterschied zum ach so liberalen Aachen.

Und für die Linke wäre Merz doch wunderbar: Endlich wieder, wie früher Strauß, ein echtes Arschloch als Kandidat der Reaktion. Dialektik gehört nicht zu den Grundbegriffen der Rechten - sonst hätten sie eine Ahnung davon, wie mobilierend ihre Aktion für die Gegenseite war.

Also: Wir erleben eine vorläufige Umgruppierung des Parteiensystems. AfD vs. Grüne als die neuen großen Parteien in Ost und West, die Linke als Bayernpartei des Ostens, FDP und SPD als kleine Parteien. Und die Union richtet sich aktuell auf die Rolle in der Defensive ein.

Rotfront und Gottes Segen!
R. - 10. Februar 2020, 21:09 Uhr

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Klare Kante: Thüringen. Oder: Wenn die Nerven blank liegen

von Fred Kowasch

07.02.2020 - 7:15 Uhr
In Zeiten wie diesen ist alles vorstellbar. Das ein Donald Trump US-Präsident wird. Das Großbritannien aus der EU austritt. Das ein deutscher Landesparteichef mit 5,0066 Prozent an Wählerstimmen Ministerpräsident ist.

Dieser 5. Februar 2020 im Erfurter Landtag hallt nach. Hat bundesdeutsche Parteiengeschichte geschrieben. Was (und wer) am Ende bestehen bleibt - wer weiss dies aktuell schon?! Selten waren politische Zeiten so spannend und dynamisch. Änderte sich die Nachrichtenlage im Stundentakt. Nur eines scheint sicher: mit der Wahl von Thomas Kemmerich zum Thüringer Ministerpräsidenten wird sich die politische Landschaft der Bundesrepublik verändert haben.

Nicht nur auf Landesebene stehen FDP und CDU beschädigt da. Vielmehr vermitteln sie auch bundesweit ein zerrissenes Bild. Eine 'Freie Demokratische Partei' bei der hochrangige Vertreter einen Wahlsieg (von AfD-Gnaden) bejubeln, während andere entgeistert ihre Wut in ihren Twitteraccount hacken. An der Spitze ein Christian Lindner, der von einen auf den anderen Tag den perfekten Wendehals miemt. 

Auch bei der CDU liegen die Nerven blank. Da erreicht eine Bundesvorsitzende einen ihrer Landesverbände nicht mehr. Muss jetzt vielleicht mit ansehen, wie ein SED-PDS-WASG-LINKE Kandidat von Ihren Gnaden doch noch in das höchste Amt im Freistaat gehievt wird. So oder so - es wird die CDU zerreissen.

Am Rande steht - mit einem Grinsen im Gesicht - die AfD. Egal wie die Sache nun ausgeht: sie kann nur gewinnen. Im Fall einer weiteren Abstimmung im Landtag - nach vollzogenem Rücktritt des amtierenden Ministerpräsidenten könnte sein 'Nachfolger dann durchaus Ramelow heissen - treibt sie die CDU vor sich her. Sollten die 1,7 Milionen Thüringer Wahlberechtigte aber erneut an die Urne gerufen werden - was angesichts der Schwäche von CDU, Grüne und FDP derzeit wohl wenig wahrscheinlich ist - dann wird sie sich über mangelnden Zuspruch sicher nicht beklagen können.

Dieses Land ist in Aufregung. Und das ist gut so.

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Klare Kante: Warum der WDR ein Auslaufmodell ist

Ein Kommentar von Fred Kowasch

06.01.2020
Es gibt einen sehr sehenswerten Film im Netz. Feinster investigativer Journalismus. Zu einer Zeit, da das NDR-Medienmagazin 'ZAPP' noch bissig war, keine Rücksicht auf Öffentlich-Rechtliche Kollegen nahm. In diesem Beitrag geht es um die Nebentätigkeiten von ARD und ZDF-'Journalisten'. Dieser Film zeigt anschaulich, wie sie bis zu 20.000 Euro für einen Auftritt einstreichen. 'Journalisten' wie Claus Kleber oder Tom Buhrow. Angeblich Gesichter für Glaubwürdigkeit und Seriosität im TV-Journalismus. In diesem Filmbeitrag geben sie keine wirklich gute Figur ab.

wdr innenstadt koelnZehn Jahre später steht einer von Ihnen - Tom Buhrow - wieder im Fokus des öffentlichen Interesses. Es geht um einen - ziemlich - missglückten 'Satire'-Song. Einen Song, den man lustig finden kann. Oder auch nicht.

So ein Lied muss man machen können dürfen. Egal wie schräg das 'künstlerische' Werk ist. Ob es inhaltlich nicht vielleicht sogar die völlig Falschen trifft. Genau dieses gebietet die Presse- und Meinungsfreiheit. 

Diesen Song aus dem Programm zu nehmen, geht nun wirklich nicht. Egal wer da wütend wird.

Sei es der NRW-Ministerpräsident. Seien es ein paar Hundert Leserbriefschreiber. Seien es die 'rechten' Trolle im Netz. Kein Verantwortlicher von Format knickt - bei diesem lauen Empörungslüftchen - ein.

Nur einer, der wirklich keine 'Eier' hat. Von den Mitarbeitern aus seiner 'Social Media'-Abteilung schlecht beraten wird. Eine Agentur für 'Krisenkommunikation' braucht.

Intendant Tom Buhrow ist symptomatisch für seinen Haussender. Schon seit Jahren kommt - aus dem einst so innovativen WDR - keine wirklich neue Programmidee mehr. Wer diesen Apperat einmal von innen erlebt hat - und der Autor hat dies ein paar Jahre - der weiß: hier verwaltet Feigheit, Political Correctness und Kleingeist das Programm. Dümpelt Belanglosigkeit selbstzufrieden vor sich hin. Während draußen - in diesen Tagen sogar direkt vor den blank geputzten Scheiben am Appelhofplatz - die Konflikte des Landes sprichwörtlich eskalieren. So einen Sender braucht kein Mensch.

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Klare Kante: Wenn Bürger von 'der Stange gehen' ....

Ein Kommentar von Fred Kowasch

Da half kein Jammern und Flehen, dass Kreuz doch "an der richtigen Stelle" zu machen. Und bitte, bitte "nicht AfD wählen".

Die Klatsche kam, wie sie kommen musste. 27 plus, so wie in einer Wette vorhergesagt. Der Wahlerfolg für die 'Alternative für Deutschland' wäre sicher noch höher ausgefallen, hätte sich Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer nicht so in Zeug gelegt. Wer ihn einmal vor Ort im Gespräch mit den Leuten erlebt hat - wie wir im April 2018 am Rande eines Musikfestivals von Rechtsextremen in Ostritz - der bekam mit, hier gibt sich einer wirklich Mühe. Hier versucht sich einer, einem Trend emsig und engagiert entgegenzustellen.

Da hilft jetzt auch keine Wählerbeschimpfung mehr. Das - gerade in extrem-'linken' Kreisen - zu oft wiederholte Mantra von Sachsen als einem braunen "Stück S......". Nur weil andere eine andere Auffassung haben, die AfD wählen. Immerhin ist dies ihr demokratisches Grundrecht. 600.000 waren es diesmal in Sachsen, 5,8 Millionen bundesweit bei der letzten Bundestagswahl. Auch wenn sich die CDU-Politiker jetzt noch medienwirksam zieren, über kurz oder lang wird es eine Tolerierung, Duldung oder Koalition mit der AfD geben. Erste - interne - Anzeichen dazu gibt es bereits. In SPD und CDU.

'Natürliche Verbündete' fühlen sich nun einmal zueinander hingezogen. Denn der rasante Aufstieg der AfD ist auch dadurch zu erklären, dass die CDU die 'rechte Flanke' praktisch aufgegeben hat. Und: in der Regierungsverantwortung haben schon viele Kreide gefressen. Der 'Linke'-Ministerpräsident Bodo Ramelow (Thüringen) ist das beste Beispiel dafür. 

Anders wird es kaum gehen. Denn gerade die bisherige Ausgrenzung, das Verwenden von formellen Verwaltungstricks wie gerade bei der Listenzulassung in Sachsen, bewirken nur Eines: dass sich die Reihen der AfD umso fester schliessen. Immer mehr frustrierte Menschen Zugang zu Ihnen finden. Denn viele Bürger erreicht diese Politik eben nicht mehr. Da ist ein Michael Kretschmer einfach zu wenig. (02.09.2019, update 04.09.2019)

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Klare Kante: Das letzte Aufgebot

Ein Kommentar von Fred Kowasch

4. Juni 2019
Die nebenstehende Grafik ist eine Replik eines unbekannten Bloggers auf einer SPD-Kampagne zur Europawahl 2009. spd vollpfostenZehn Jahre sind es gerade einmal her, da stand die SPD in Umfragen noch bei 25 Prozent. Heute sind es zehn Prozentpunkte weniger.

Und: (ein bischen Häme muss sein) - dass ist immer noch zu viel. Die frohe Kunde: bei den nächsten Landtagswahlen ist - zumindest in Sachsen - auch mal etwas Einstelliges zu erwarten. Denn genau dorthin führt der Weg. Die einst so rumreichen deutschen Sozialdemokraten braucht nun wirklich keiner mehr.

Nach dem überstürzten Abgang von Andrea Nahles (hört auf rumzujammern, sie war die größte Intrigantin ever) soll es nun ein Trio richten. Ein Hesse, der drei Landtagswahlen (2009, 2013 und 2018) verloren hat. Eine Ministerpräsidentin, die der Zufall ins Amt nach Mecklenburg-Vorpommern spülte. Eine Vorsitzende des ZDF-Verwaltungsrates, die gut lächeln kann. Es ist das buchstäblich letzte Aufgebot der SPD.

Ein Partei in Panik. Ohne einen programmatischen Entwurf auf den sie glaubwürdig setzen kann. Zu hoffen ist, dass die SPD noch die CDU mit sich reisst. Mit ihrem Beharren an ihrem Projekt der Grundrente, die vor allem auf Kosten der jüngeren Generation geht. Irgendwann muß mit diesen Wahlgeschenken für die Ü-60jährigen mal Schluss sein.

Zerlegt euch. In aller Ruhe. Am besten gemeinsam. Wir werden dies mit Freude beobachten. Und analysieren. Macht endlich Schluß mit eurer tollen 'grossen' Koalition. Überlasst den Job denen, die Bock drauf haben. Und eine Gesellschaft gestalten wollen, die Zukunft hat.

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Klare Kante: Ein Tag im Januar vor 30 Jahren. Und sein Vermächtnis

von Fred Kowasch

Manche Sachen scheinen sehr weit weg und sind doch wieder ganz nah. 30 Jahre ist es in diesen Tagen her, dieses Bild aus der Innenstadt von Leipzig. Es war der 15. Januar 1989, kurz nach 16 Uhr. Zusammen mit mehreren Hundert Menschen demonstrierten wir dort. 500 mögen es wohl gewesen sein. Es ging um Versammlungsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit. Und ja: es ging um die Demokratisierung der DDR. Die Demonstration war - natürlich - nicht angemeldet. Wie auch. Denn die DDR-Diktatoren hätten sie niemals genehmigt. Den Organisatoren - zu denen zahlreiche meiner Freunde und ich zählten - drohten mehrere Jahre Haft. Uns war es egal. Es war einfach an der Zeit, es diesen Machthabern einmal deutlich und offen zu zeigen. Im besten Sinn des Wortes 'Blank zu ziehen'. Die Straße auch sprichwörtlich zu erobern. 15 1 1989 3
Trotz der vorläufigen Festnahmen - kurz nachdem dieses Bild aufgenommen wurde - der Inhaftierung einen Tag später, ging die Sache gut aus. Neun Monate später folgten Hunderttausende unserem Beispiel.

Mittlerweile gelten die Ereignisse rund um den 15. Januar 1989 in Leipzig als die 'Geburtsstunde der Revolution'. So viele Revolutionen hat es in der deutschen Geschichte bekanntlich bisher nicht gegeben.

Und heute?! Sind viele, die dass damals initierten, untereinander gram, verstritten. Weil sich die einen für Parteiveranstaltungen öffentlichkeitswirksam einspannen lassen, andere die AfD wählen.

Ich 'wähle' schon lange nichts mehr. Weil ich diese Parteien verachte, deren Vertreter sich - meiner Meinung nach - nur bedienen wollen. Denen 'Volkes Wille' so gut wie egal ist, die keine wirklichen Probleme inhaltlich anpacken. 

Wenn es - für mich - überhaupt ein Vermächtnis dieses Tages vor 30 Jahren gibt: artikuliert euch, mischt euch ein, besetzt die öffentlichen Räume. Zur Not auch ohne Anmeldung bei den deutschen Ordnungsbehörden. Wie es gehen kann, zeigten jüngst die Gelbwesten in Frankreich. Oder die Protestierenden vom Hambacher Forst. Warum sich distanzieren, wenn es nichts zu distanzieren gibt.

Eine andere Welt ist möglich. Dieses verkrustete und korrupte Staatssystem kann nicht die Zukunft sein.

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Klare Kante: Endlich wird wieder debattiert

Ein Kommentar von Fred Kowasch

25.09.2017
Wo war nur Heiko Maas? Der Totengräber für die Bürgerrechte war auf Tauchstation. An diesem Desaster-Abend für die Sozialdemokrie - vor keinem Mikrofon gesehen. Die Öffentlichkeit suchten andere. "Wir werden sie jagen!". Eine Kampfansage. Absurd zu konstertieren: Endlich gibt es wieder eine Opposition. Und: Endlich, endlich wird wieder schonungslos gestritten. Die Berliner Runde von ARD und ZDF machte da Hoffnung. Auf mehr.

Auf Journalisten, die ihren Job wieder ernst nehmen. Statt entrückt und seelig - wie im Herbst 2015 - den Regierungspressesprecher zu imitieren. Auf einen Bundestag in dem der Meinungsstreit hart ausgetragen wird. Die klebrige Einparteiensosse von CDUCSUSPDLINKEGrüne lag viel zu lange wie Mehltau über dem Land. Deshalb auch hat der Auftritt von Martin Schulz am Sonntag Abend Spaß gemacht. Weil er den Konsens durchbrach, endlich 'Eier' zeigte.



Noch ein Gruß an die 'Politisch-Korrekten', mit ihren immer gleichen Parolen. Mittels Lautstärke, Blockaden und fliegenden Fäusten bekommt ihr die AfD nicht weg. Im Gegenteil: ihr macht sie nur noch stärker. Vielleicht wird sie sich - im Parlament - selbst zerlegen. Vielleicht auch nicht. Zehn bis 15 Prozent - so sagen es Politikwissenschaftler schon seit Jahren - hält jeder Staat aus.

Es ist an der Zeit aufeinander zuzugehen. Miteinander zu debattieren. Auch wenn, der andere bei seiner Meinung bleibt. Der Streit um die besseren Argumente, er macht die Würze in einer funktionierenden Gesellschaft aus.

Und: gestaltet endlich wieder Politik. Schafft ein modernes Zuwanderergesetz, führt die Asylpolitik auf ihren Wesenskern zurück. Verabschiedet euch von der Dörfer fressenden Braunkohleindustrie. Investiert in Digitalisierung, Bildung, Schulen, Kindergärten. Entwickelt Konzepte für die Themen Renten, Krankenversicherung und Pflege. Das sind die Bereiche, die den Menschen unter den Nägeln brennen. Sonst wird die Bundesrepublik bald überall 30 Prozent AfD sehen.

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Klare Kante: Dieser Drops ist gelutscht

von Fred Kowasch (12.09.2017)

"Nazi", "Rassisten", "rechtspopulistische Bratzen". Kurz vor der Bundestagswahl da ballern sie aus vollen Rohren. Muss ihnen die Düse gehen. Haben Stegner, Maas und Gröhe die Windeln voll. Da können sie zetern wie sie wollen - wird die Wahl nicht im DDR-Style gefälscht - dann ziehen Petry, Weidel und Gauland schon in Kürze in den Deutschen Bundestag ein.

Dass kann man bedauern, schlecht oder katastrophal finden, das 'Gespenst von Weimar' an den Horizont malen. So langsam sollte sich die Öffentlichkeit damit abfinden: in den nächsten vier Jahren bestimmt die 'Alternative für Deutschland' (AfD) die politische Agenda mit. Und sei es dadurch, dass sie die 'lupenreinen Demokraten' mit permanenten Provokationen medial vor sich her treiben.muelltonne 

Da helfen auch keine Geschäftsordnungstricks im hohen Haus, keine eilig verfügten Dekrete mehr. Dieser Drops ist gelutscht.

Allenfalls geht es im Moment noch um die Fragen: wird die AfD drittstärkste Fraktion? Zieht die Partei zweistellig in das deutsche Parlament?

Zur Erinnerung: im Juli 2015 dümpelte die AfD in Wahlumfragen zwischen drei und vier Prozent Wähleranteil dahin. Ein Einzug in den Bundestag schien unwahrscheinlich. 

Dann kam 'Refugees welcome' und eine Angela Merkel, die statt verantwortlich ihren Job zu machen, von sich selbst entrückt war. Die Silvesternacht von Köln schließlich katapultierte die AfD in die Zweistelligkeit. Wo sie im September 2017 wieder angekommen ist.

'Flüchtlingskrise', 'Flüchtlingskrise', 'Flüchtlingskrise' - es ist de facto nur ein Thema, dass die letzten Wochen im Bundestagswahlkampf bestimmt. Auf den Marktplätzen in Ost (und West) da schäumen sie. Der Bürger, der Citoyen. Haben Lust, es denen - da oben - mal richtig zu zeigen. Das mag nicht schön aussehen, oft unflätig klingen. Wut kennt - in der Regel - keine Grenzen. 

Fest steht: dieses Land hat sich - in den letzten drei Jahren - verändert, gespalten. Die Diskussionskultur ist verkommen. In Geschrei erstickt. 
Verantwortlich dafür, sind nicht jene, die die Defizite benennen. Sondern die, die dieses Land - ohne Plan und Vison - verwalten.


Foto: Holger Witzel @tamisdat

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Klare Kante: "Klagt nicht, kämpft" - Traditionsverständnis bei der Bundeswehr

Ein Kommentar von Fred Kowasch

"Klagt nicht, kämpft". Ein alter Wehrmachtsspruch, aufgehangen über einem Waschraum in einer Bundeswehrkaserne. 'Verziert' mit ein paar Bildern aus dem II. Weltkrieg. Vor knapp 25 Jahren habe ich darüber im ZDF-Morgenmagazin berichtet. Ehemalige Soldaten schilderten in diesem Film noch andere Vorfälle in Kasernen. Vorfälle mit rechtradikalem Hintergrund. Der Bundeswehrbeauftragte des Deutschen Bundestages Alfred Biele (CSU) versprach in der Sendung Aufklärung. Am nächsten Tag berichteten die Süddeutsche Zeitung und die FR auf Seite 2 über eine meiner ersten 'großen' Geschichten.

Fünf Jahre später - im Juni 1998 - im ZDF-Politikmagazin 'Kennzeichen D' der nächste Scoop: 'Traditionspflege bei der Bundeswehr'. Diesmal berichte ich, wie Bundeswehrsoldaten auf Kreta das Andenken der Wehrmacht pflegen. Wie sie - im Rahmen einer Führerweiterbildung - der 'Operation Merkur' vom Mai 1941 gedenken. Welche Bedeutung diese größte Luftlandeoperation der Kriegsgeschichte für ehemalige und aktive Fallschirmjäger der Bundeswehr noch hat.

Auch diese Story sorgt für Aufsehen. Es gibt eine Programmbeschwerde an den ZDF-Intendanten, 36 zu beantwortende Leserbriefe, Bundestagsabgeordnete befassen sich mit meinen Enthüllungen. Parallel dazu läuft im Bonner Bundestag ein Untersuchungsausschuss. Er soll zahlreiche rechtsradikale Vorfälle in der Truppe aufklären helfen. Dies alles ist lange her. Noch und noch politisch - und publizistisch - 'durchgekaut'.

Und nun - im Mai 2017 - sollen alle Kasernen nach Andenken an die Wehrmacht durchsucht werden. Jahrzehnte nach den aufsehen erregenden Berichten im ZDF über das seltsame Traditionsverständnis in Teilen der Bundeswehr. Warum erst jetzt? Warum so spät?!

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Klare Kante: Wenn der Staat nervös wird

Ein Kommentar von Fred Kowasch

Wer in der letzten Zeit in Nordrhein-Westfalen eine Demonstration besuchte - und am Rand mit den Cops sprach - sah in müde, frustrierte Gesichter. Überstunden, die nicht abgefeiert werden können, weil die Zeit fehlt. Beziehungen, die in die Brüche gehen, weil man sich nicht mehr sieht. Ein Dienstherr, für den man nur noch ein Schulterzucken übrig hat.

Der Staat und seine Beamten. Sie sind derzeit in keinem guten Zustand. Respekt und Akzeptanz - Fehlanzeige.

Und: die Angst hat zugenommen. Sicherheitsfirmen kommen mit den Aufträgen kaum hinterher, Waffenhändler haben Hochkonjunktur. Frauen gehen aus Furcht immer weniger allein joggen, trauen sich seltener des Nachts noch vor die Tür. Das dies so ist, haben selbst die notorischen Gesundbeter in den Massenmedien mittlerweile registriert. Vom einst so glücksbesoffenen 'Refugees welcome' ist nur noch ein Kater übrig geblieben.




Der Terror ist in Deutschland angekommen. Auch wenn sich viele 'Kollegen' - nach dem 19. Dezember 2016 - bemüht haben, dieses Thema kleinzureden. Das Volk hat oft ein sehr feines Gespür. Nun folgt Gesetz auf Gesetz, Freiheitseinschränkung auf Freiheitseinschränkung.

Wer sagt eigentlich, dass es diese Form der Staatsausübung die Beste ist?

Dass dieses System es wert ist, verteidigt zu werden? Das man diesen Staat nicht stürzen kann?

Dass es Merkel, de Maizeire und Maas noch auf ewig geben muß?  

Dass sich die Bürger nicht alles gefallen lassen, zeigen die letzten beiden Jahre. Wer hätte im Sommer 2014 geahnt, dass "Merkel muss weg" Rufe zum Alltag auf deutschen Demonstrationen gehören? Dass ein Bundesjustizminister vor seinen Wählern flieht? Dass Politikerverachtung gesellschaftsfähig werden wird?

Die Herrschenden behelfen sich mit Strafverschärfung. Es sind spannende Zeiten ....

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