9,73 Prozent - Auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit

von Fred Kowasch

Dem Generalsekretär - rinnen die Schweißperlen davon. Die Parteivorsitzende - plötzlich wohltuend leise. Nur weg hier. Weg vom ARD-Mikrofon. Keine Party mehr im Willy-Brand-Haus. Ein warmer Spätherbstsonntag neigt sich seinem Ende entgegen. Die SPD in ihre Rolle - als Volkspartei - wohl auch.

9,72 Prozent der abgegebenen Wählerstimmen in Bayern. Nicht unwahrscheinlich: dass die Sozialdemokraten auch im Bund demnächst in die Bedeutungslosigkeit marschieren. Kein eitler Gernegroß mehr im Außenministerium! Kein Ex-Bürgermeister, der G-20-Demonstranten verprügeln lässt. Und dafür auch noch mit dem Amt des Vize-Kanzlers 'belohnt' wird. Ein Wahlabend kann so HERRLICH sein! 

Es rumpelt gerade mächtig in dieser Bundesrepublik. Sehr wahrscheinlich, dass bald schon kein Stein mehr auf dem anderen steht. Wie es doch immer so schön heißt. Die 'Grünen' entwickeln sich Richtung Volkspartei. In den großen Städte sind sie es schon. Sie speisen sich aus dem urbarnen Millieus dass sich gern als 'weltoffen' und 'tolerant' bezeichnet. Dabei gern in den schicken und teuren Stadtvierteln sitzt. Papas Eigentumswohnungsspende macht es möglich.

Ihre politischen Leitfiguren haben mittlerweile die Zeichen der Zeit erkannt. Der Bayer Ludwig Hartmann arbeitet sich seit Jahren konsequent an der CSU-Landespolitik ab. Nicht nur in der 'No-Olympia'-Kampagne gab er im Freistaat die Richtung vor. Auch Bundespolitiker wie Annalena Baerbock, Robert Habeck oder Anton Hofreiter wissen es: ein Volksvertreter gehört wieder 'an die Front'. Zum Beispiel: mitten in den Hambacher Forst. Wo gerade das Umweltgewissen der Nation mächtig tickt. 

'Aus dem Stand' auf 10,21 Prozent. Dieses zweistellige Wahlergebnis der 'Alternative für Deutschland' ist durchaus beachtlich. Zumal das 'Original' dort seit Jahren an der Macht sitzt. Egal, welche Koalition die CSU nun eingeht - in der Zukunft werden sich diese 'natürlichen Verbündeten' auch machtpolitisch vereinigen. Sicher nicht unter einer Kanzlerin Merkel. Aber deren Tage sind in Berlin ja eh gezählt.

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Richtung zehn Prozent - Wie die SPD zwei (Bundestags)Wahlkämpfe 'vergeigte'

Schon mal gewundert, warum Peer Steinbrück im Oktober 2012 - als frisch gekührter SPD-Kanzlerkandidat - seine lukrativen Nebenverdienste um die Ohren flogen? Weshalb Martin Schulz - nach famosen Start - seinen Biß verlor? Welche Rolle Sigmar Gabriel - im Hintergrund - bei all dem spielte?

Die Antworten darauf, gibt es in einem 108-Seiten-Papier, dass die SPD jetzt veröffentlicht hat. Es ist der seltene Einblick in ein Stück ungeschminkte Zeitgeschichte. Eine schonungslose Abrechnung mit einer zum Bundestags-Wahlkampf komplett unfähigen Sozialdemokratie. Einer Partei, die immerhin seit 2013 mit an der Regierung ist.

nrw wahlWas überrascht: die Antworten auf die - eingangs gestellten - Fragen sind erschreckend banal.

Peer Steinbrück wußte im Vorfeld schlicht nichts von seiner Ernennung. Hatte deshalb auch keine Zeit, eine überzeugende Wahlkampfstrategie zu entwickeln.

Viel besser erging es auch Martin Schulz nicht. Ohne Konzept, aber mit SPIEGEL-Redakteuren im Gepäck. Ohne Biß, um Hannelore Kraft im NRW-Wahlkampf zu schonen. Das Thema 'Bildung' fiel deshalb schon einmal aus. Dafür mit weißem Häubchen auf dem Kopf oder verbissend aus dem Zugfenster blickend.

Im Hintergrund betrieb ein Siegmar Gabriel sein ganz eigenes Spiel. Soll man dem SPD-Papier glauben, sah sich die Partei den Launen - dem Zaudern und Zögern -  des Ex-Parteivorsitzenden über Jahre hinweg ausgesetzt. 

Diese 108 Seiten sind eine Offenbarung. Ein 'must read' für jeden politisch-interessierten Bürger. Die zwei Stunden Lesezeit sollte man sich gönnen. Dann versteht man auch, warum diese Partei in Richtung zehn Prozent geht.

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Hambacher Forst: Wie aus 40 über 40.000 werden ....

Eine Analyse von Fred Kowasch

Knapp ein Jahr ist die Szene her. An einem Montag Ende Oktober standen sich an der alten Auffahrt auf die A-4 im östlichen Hambacher Forst 40 Demonstranten und eine Hundertschaft Polizisten gegenüber. Gut Hundert Meter weiter wurden - im Auftrag von RWE - eifrig Bäume gefällt. Der WDR war mit einem Kamerateam vor Ort, RTL-West auch. Dazu: zwei, drei freie Journalisten mit kleinen Digitalkameras. Sonst war nicht viel los. An diesem grauen, kalten Nieselregentag.

Bis einer jungen Polizistin die Nerven durchgingen. Der ausgiebige Pfeffersprayeinsatz schaffte es dann immerhin in die lokalen Abendnachrichten. Bei youtube wurden die selbst gedrehten Bilder seitdem zehntausendfach geklickt. Von den Baumbesetzern im Wald und ihren Unterstützern kannte sie jeder.

Es ist immer wieder eines der großen Rätsel von Protestbewegungen, wie sie von ein paar Dutzend 'Aufrechten' zu einer Massenbewegung werden können. Wie sie es schaffen, anschlußfähig zu sein. Es ihnen geling - sprichwörtlich - in der 'Mitte der Gesellschaft' - anzukommen.


Dazu bedarf es - neben eines realen Problemes - auch des Durchhaltewillens der Demonstranten sowie einer fast schon bockig zu nennenden Ignoranz und Arroganz der Gegenseite. Im Fall des Hambacher Forstes spielte diese Rolle der Energiekonzern RWE mit beeindruckender Klarheit. Hinzu kam eine Landespolitik, die - wie im Fall des Ministerpräsidenten Armin Laschet (CDU) - sich vor dem Thema feige wegduckte. Oder wie sein Innenminister Herbert Reul (CDU) den harten, starken Mann gab. Faustschläge ins Gesicht gegen friedliche (und am Boden sitzende) Demonstranten kommen im Zeitalter der sozialen Medien - wo dieser Polizeieinsatz fast rund um die Uhr LIVE gestreamt wurde - öffentlich nicht gut an.

Und so wurde die Wut im Wald immer größer. Die bundesweite Aufmerksamkeit auch. Aus den monatlichen Spaziergängen des Waldpädagogen Michael Zobel mit ein paar hunderten Naturfreunden entwickelten sich wöchentliche Großdemonstrationen mit Tausenden aufgebrachter Menschen. Ich habe es bis dahin noch nicht gesehen, dass Kids, Ladies in Pelzmänteln, Omas und Opas zusammen mit Autonomen Barrikaden bauen.

Es gibt immer auch Überraschungen im Leben. Die Story rund um den Hambacher Wald ist so eine.

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Berlin-Tipps

berlin bei nacht
17.10. 20.00 Arkaoda: The Ex, Moon Relay (Exp., Punk, Noise, Empfehlung) 16e
17.10. 20.00 Badehaus: Jon Moon & Tóke, Rootsdaughter (Reggae) 10e
17.10. 20:00 Bi Nuu: My Baby (Blues, Rock) 21e
17.10. 20:00 Frannz: Pale Waves (Gothpop)
17.10. 20.00 Glühlampe: Balkan Spirit Ensemble (Balkan, Jazz)
17.10. 20.30 Monarch: Delorentos (Indie-Rock) 17e
17.10. 21:00 Koma F: Tsygun, Infidel Express, Coäccion (D-Beat, Grind, Crust)
17.10. 21.00 Tiefgrund: Bambara, Pigeon (Noiserock, Post Punk)
17.10. 23:59 Suicide: Lila D., Youandme, Quadrakey, Click|Click

18.10. 20.00 Gretchen: Mädness & Döll, Kobito, Ecke Prenz (Hip Hop) 25e
18.10. 20.00 Lido: Primal Fear, Riot V (Metal) 29e
18.10. 20.00 SO36: Anti-Flag, Silverstein (Punk, Empfehlung) 34e
18.10. 21:00 Bei Ruth: Lassie, Staches (Punk, Wave, Garage) 8e
18.10. 21:00 Kugelbahn Wedding: Wanja (Jazz, Blues, Poprock)
18.10. 22:00 Duncker: The Bland (Folk Rock) 0e
18.10. 22:00 Wild At Heart: The Murderburgers, City Mouse Pop (Punk, Empfehlung) 13e

19.10. 20.00 Badehaus:
Destination Anywhere, The Tips (Ska, Punkrock) 18e
19.10. 20.00 Festsaal Kreuzberg:
The Marcus King Band (Blues Rock)
19:10. 20.00 Huxleys:
Killing Joke (Post Punk, Rock) 39e
19.10. 21:00 Abstand:
Alteri, Haeresis, Ivan Stalingrad (Deathmetal)
19.10. 22.00 Roter Salon:
James K, Alobhe (Cold Wave Electro) 15e
19.10. 22:00 Supamolly: The Living Deads, Kris and Lou (Rockabilly, Garage Rock, Empfehlung) 6e

19.10. 22:00 Wild At Heart: TV Smith, The Say Highs (Punk, Indie-Rock, Empfehlung) 15e

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Im Netz: 'Godless' (Western, Netflix)

Schöne und entschlossene Frauen. Brutale Gangster. Ein warmherziger Ganove. Richtig geiler Western. Gut ist: das Werk ist über sieben Stunden lang. Bei netflix in genau so vielen Teilen zu geniessen. Wunderbare Landschaftsaufnahmen wechseln sich mit detailgetreuen Charakterstudien ab. Manchmal wird es allerdings arg brutal. Ein Filmgenuß, der süchtig macht. Der sich Zeit zum Erzählen lässt. Modernes, grosses Kino.

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Travel: Budapest, mon amour (Fotostrecke)

Die Fischerbastei, gegenüber das Parlament, unten fliesst mayestätisch die Donau. Darüber die schweren Eisenbrücken, die die Stadtteile Buda und Pest miteiander verbinden. Ungarns Hauptstadt war schon immer ein Sehnsuchtsort. In der 80ern für viele DDR-Tramper, die sich - bei ihrem Trip Richtung Bulgarien - zum Übernachten auf der Magareteninsel trafen. Heute für Leute, die mal ganz entspannt ein verlängertes Wochenende in einer sehr gelassenen europäischen Metropole verbringen wollen. Budapest, mon amour. Noch schnell hin, bevor die Touristenmeute anrollt ....
innenhof
Der 'Typische' Innenhof

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Sport inside Special: Falsches Spiel - Wettmanipulation Im Tennis

Ein Film von Benjamin Best, Fred Kowasch und Tom Mustroph
Sport inside Special, WDR Fernsehen, Sonntag, 7.5.2017, 22.05 - 22:35 Uhr

In kaum einem anderen Sport ist es so leicht zu manipulieren wie in der Einzelsportart Tennis. Der sogenannte "weiße Sport" kämpft seit mehr als zehn Jahren mit massiven Vorwürfen: Betrug, Manipulation, Vertuschung. Wettsyndikate, vor allem aus Russland, Südamerika und Italien, sind auf der Suche nach Tennisspielern, die für Geld Spiele manipulieren. Experten schätzen den weltweiten Umsatz bei Tennis-Wetten auf fünf Milliarden Euro. 

Im vergangenen Jahr haben die internationalen Tennisverbände 292 verdächtige Matches gemeldet. So viele wie nie zuvor. Mittlerweile kommen 80 Prozent aller verdächtigen Sportereignisse in Bezug zu Wettmanipulation aus dem Tennis. Seit Jahren stehen die internationalen Tennisverbände in der Kritik, zu wenig gegen die Manipulation zu unternehmen.

'Sport inside' Spezial: Falsches Spiel - Wettmanipulation im Tennis (Doku, 30 min) from interpool.tv on Vimeo.

Vor allem Tennisturniere der zweiten bzw. dritten Kategorie, sogenannte Challenger- und Future-Turniere, sind für Betrug anfällig, weil hier das Schmiergeld höher sein kann als die geringen Preisgelder. "Die Wettbetrüger sind keine dummen Menschen, ganz im Gegenteil die wissen genau wen sie ansprechen müssen, wo die Saat auf fruchtbaren Boden trifft", erklärt Tennisprofi Andrea Petkovic gegenüber Sport inside. Sport inside trifft Ermittler, spricht mit Tennisprofis und stößt bei den Tennis-Weltverbänden auf eine Mauer des Schweigens.

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"Zeigen, was ist!" - Gespräch über die Dreharbeiten zu »Inside Hogesa«

War die HogeSa-Demo in Köln der Startschuss für Pegida?

Eindeutig ja. Und sie war nicht nur für Pegida der Startschuss. Auch für Legida in Leipzig, die großen »Merkel muss weg«-Demos in Berlin, Pegida-NRW. 
hoolbuch
Und, und, und. Letztendlich auch für den heutigen Erfolg der AfD.

Denn das Thema des radikalen Islamismus, der steigenden Terrorgefahr durch unkontrolliertes Einreisen von Flüchtlingen und Migranten – heute alles »Leib- und Magenthemen« der AfD –, hat zuerst »HogeSa« auf die Straße gebracht. 

Zur Erinnerung: Macheten und Metallstangen. Und die Polizei steht fassungslos daneben. Es waren die Bilder einer brutalen Straßenschlacht zwischen Salafisten und Kurden am 7. Oktober 2014 in Hamburg, die in weiten Teilen der Gesellschaft für Empörung sorgten. Die den Ruf nach Selbstjustiz auf ein anderes gesellschaftliches Level brachten. Nur so ist der Zuspruch für die »Hooligans gegen Salafisten« zu erklären. 

Unvorstellbar war zu dieser Zeit allerdings, dass sich fast 5.000 von ihnen nur zweieinhalb Wochen später in Köln, am 26. Oktober 2014, versammeln – und an einem Sonntag »in aller Ruhe« durch die Stadt »spazieren«. Auch wenn es tausende Anmeldungen über ihre Facebookseite gab – mit mehr als 1.500 hatten die Veranstalter nicht gerechnet. 

Die breite gesellschaftliche Akzeptanz für die AfD und ihre Thesen haben letztendlich die »Hooligans gegen Salafisten« geschaffen. Sie waren der Rammbock gegen die Tabus der »political correctness«, dessen was als »politisch korrekt« galt. Sie haben öffentlich und sagbar gemacht, was zuvor Millionen dachten. 

Zusammengefasst: Bei einem Einzug der »Alternative für Deutschland« in den Bundestag müssen sich deren Vertreter an erster Stelle bei den »Hooligans gegen Salafisten« bedanken. Sie haben letztendlich das Tor aufgestoßen .... WEITER

Hier gehts zum gesamten Gespräch ....


Hier gehts zum Buch 'Fäuste, Fahnen, Fankulturen"

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Film-Premiere: 'Inside HogeSa' - Von der Straße ins Parlament (Doku, 92 min, 2018)

'Inside HogeSa' ist eine Dokumentation, die der Frage nachgeht: welche Folgen hatte die Demonstration der 'Hooligans gegen Salafisten' (HogeSa) vom 26.Oktober 2014 in Köln? Als 5.000 Menschen auf die Straße gingen. Was wurde aus den Protagonisten? Ausführlich kommen Beteiligte zu Wort. Unter Ihnen Hools und Mitglieder des 'HogeSa'-Teams. Aber auch Fanforscher, Politikwissenschaftler, 'Pegida'-Organisatoren.

'Inside HogeSa' - Von der Straße ins Parlament from interpool.tv on Vimeo.

Dreieinhalb Jahre lang haben wir an dem Thema gearbeitet. Dutzende Kundgebungen und Demonstrationen besucht. Vor Ort mit den Beteiligten gesprochen. Entstanden ist ein 92 Minuten langer Dokumentarfilm, der einen Einblick in eine Szene gibt, den es so noch nicht gab. Wem der Trailer gefällt, kann sich gern den kompletten Film ansehen. Er kostet 4,99 (Ausleihe 48 Stunden) und 9,99 Euro (all). Wir haben die Dokumentation mit insgesamt 10.000 Euro selbst finanziert. Auf Crowdfunding, Filmfördergelder oder eine Co-Finanzierung öffentlich-rechtlicher TV-Sender wurde - aus Gründen der redaktionellen Unabhängigkeit - verzichtet.

Hinweis: wer den Film kauft, bekommt zahlreiche ungeschnittene Interviews zu sehen. Und Zugang auf einen 20 Minuten längeren 'Directors Cut' des Filmes, an dem wir gerade noch arbeiten.

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